Politik : Spaß am Spiel mit dem Untergang? (Kommentar)

ug.

Ganz Österreich scheint vor der Parlamentswahl in knapp zwei Wochen Spaß am Spiel mit dem Untergang gefunden zu haben. Sehenden Auges halten die Österreicher einem Mann den Steigbügel zur Macht, von dem ihnen ein Polizeistaat und ein schwerer Ansehensverlust im Ausland droht. Wer nicht zu dem knappen Drittel der Bevölkerung gehört, das Jörg Haider wählen will, regt sich nicht besonders über den Rechtsaußen auf. Die Österreicher sind nicht schlecht gefahren mit 14 Jahren großer Koalition. Die Arbeitslosenrate gehört zu den niedrigsten in der EU, der Staatshaushalt wurde konsolidiert. So verstaubt, wie die notorischen Ankläger in den Wiener Medien schreiben, sind die Wirtschaftsstrukturen zwischen Bodensee und Burgenland nicht. Den Österreichern ist es mit ihrer bisherigen Koalition einfach "a bisserl fad" geworden. Liberale oder Grüne werden als Alternative kaum beachtet, weil ihre Auseinandersetzung mit liebgewordenen Legenden und vertrauten Sicherheiten nicht ankommt. Verdrängung der eigenen Vergangenheit und spießige Konfliktscheu wählt da lieber einen starken Mann, der allen alles verspricht und doch nur an der eigenen Macht interessiert ist. Verschreckt von der Öffnung Europas versucht sich die Bevölkerung eines exportorientierten Landes ausländerfeindlich abzukapseln. Doch wer von dem Geld lebt, das Fremde im Urlaub ins Land tragen, kann auch selbst leicht einmal ausgegrenzt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar