Politik : SPD-Abgeordneter Christoph Zöpel soll Staatsminister im Auswärtigen Amt werden

In seiner Heimatstadt hat man Christoph Zöpel zuletzt kaum noch wahrgenommen. Wer die Sozialdemokraten in Bochum nach dem ehemaligen Stellvertreter von Johannes Rau als SPD-Landesvorsitzender fragt, erntet überwiegend Schulterzucken. Nur einmal, wird dann berichtet, hat er sich kürzlich bereit erklärt, eine Fotoaktion zur Sauberkeit in der Revierstadt zu unterstützen, seither lächelt er von dem einen oder anderen Plakat. Seinen Wahlkreis hat der Bundestagsabgeordnete ohnehin nicht in Bochum, er vertritt das rheinische Braunkohlenrevier um Heinsberg. Gemeinsam mit einigen Grünen hat er während der entscheidenden Genehmigungsphase für den Tagebau Garzweiler II an die Klima-Ziele erinnert, die durch die Braunkohleverstromung gefährdet werden. Mit solchen Aktionen hat sich Zöpel in der NRW-SPD keine Freunde gemacht, aber darauf hat er es noch nie angelegt.

Wenn Gerhard Schröder ihn jetzt zum Nachfolger für Günter Verheugen vorschlagen wird, bindet der Bundeskanzler mit Zöpel einen Teil der Linken innerhalb der Bundestagsfraktion ein. Dort hat sich Zöpel nach seinem Rückzug aus der Partei einen Namen als außenpolitischer Fachmann gemacht. Er ist Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und Mitglied im Kuratorium des Deutschen Orient-Instituts. Aus der Innenpolitik hat er sich genauso abgemeldet wie aus der Parteipolitik.

Rau holte den engagierten Linken und Wirtschaftswissenschaftler 1978 in sein Landes-Kabinett und machte ihn zum Bundesratsminister. Nach der gewonnenen Wahl 1980 erhielt Zöpel mehr Kompetenzen: Eigens für ihn wurden die Bereiche Stadt- und Landesentwicklung geschaffen und 1985 noch um Wohnen und Verkehr erweitert. Er bremste bei neuen Autobahnprojekten, kämpfte gegen Einkaufszentren auf der grünen Wiese, stritt vehement für die Revitalisierung der Innenstädte, bevorzugte die Modernisierung von Altbauten.

Schon 1985 suchte Zöpel die Gegnerschaft zwischen SPD und Grünen aufzulösen. Früher als andere erkannte er den Wert ökologischer Themen. Ein Streit darüber führte auch zum Rückzug aus den Parteiämtern. Obwohl er 1992 - übrigens in einer Kampfkandidatur gegen Rudolf Scharping - in das Parteipräsidium der SPD gewählt worden war, verließ er später alle Gremien im Streit. Zunächst legte er sich im Wahlkampf 1994 mit dem Kandidaten Scharping an, weil er sich mit einem Tempolimit nicht durchsetzen konnte, im September 1995 zog er sich endgültig zurück, nachdem er die SPD nicht gegen den Tagebau Garzweiler II in Stellung bringen konnte. "Die innerparteiliche Kommunikation ist gestört", klagte er damals, weil er massiv zum Rücktritt aufgefordert worden war. Mit Joschka Fischer hat er solche Probleme nie gehabt.

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