Politik : SPD-Abweichler: Struck bleibt hart

In der Frühmaschine nach Berlin traf Wolfgang Clement am Freitag einen alten Bekannten: Henry Maske hatte ebenfalls eine Einladung zur Feier "50 Jahre Verdienstorden" in Schloss Bellevue erhalten. Doch am Flughafen Berlin trennten sich erst einmal ihre Wege, der Düsseldorfer Ministerpräsident musste noch eine äußerst wichtige Parteiangelegenheit regeln. Zu diesem Zweck hatte sich der engere Landesvorstand der SPD aus dem größten Bundesland in Berlin verabredet: Es ging um die Frage, ob Arbeitsminister Harald Schartau neben seinem Ministeramt auch noch als Generalsekretär an Rhein und Ruhr würde arbeiten können. Diese Debatte trug inzwischen Züge eines Machtkampfes zwischen Clement und Müntefering, dem Düsseldorfer Parteichef.

Genau das spürte Schartau, der das Berliner Gespräch deshalb mit einem Friedensangebot an Clement begann: "Es ist klar, dass ich hinter Dir stehe und mir im Zweifel das Ministeramt wichtiger ist". In den Vortagen hatte sich Schartau noch mit der Bemerkung zitieren lassen, dass ihn die Aufgabe in der Partei reize und er auch glaube, als Arbeitsminister zur Erneuerung der reformbedürftigen SPD beitragen könne. Nicht nur Clement schüttelte den Kopf ob solcher Äußerungen. "Der sitzt dann als Politkommissar am Kabinettstisch", wurde gespottet. Erschwerend kam hinzu, dass Schartau offenbar mit Müntefering geredet hatte, ohne Clement zu informieren.

Neben der Machttaktik erinnerten viele Genossen an die Arbeitsbelastung. Genau das war am Ende die Formel, mit der Schartau den geordneten Rückzug antrat: "Das Risiko, dass eine Aufgabe leidet, war zu groß." Die Genossen ermunterten den früheren IG-Metall-Chef aus NRW aber, sich stärker in der Landespartei einzumischen; mancher hält es für denkbar, dass Schartau einer der Stellvertreter Münteferings in der Landespartei wird. Wer hingegen Generalsekretär wird, ist wieder völlig unklar. Nach Schartau liegt die Latte reichlich hoch. Und Müntefering hat nur noch einen Versuch.

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