SPD-Chef Beck : "Niemand sägt an meinem Stuhl"

Nach seinem Gepolter gegen interne "Kritiker in den Büschen" wähnt sich der SPD-Chef sicher im Sattel. Auch miserable Umfragewerte bringen ihn nicht von dem Glauben ab, mit der CDU "Kopf an Kopf" zu liegen.

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Kurt Beck. Die "Nummer eins" der SPD sieht seine Kritiker verstummt. -Foto: ddp

Berlin SPD-Chef Kurt Beck hält seine Führungsposition in der eigenen Partei für unangefochten. "Ich sehe niemanden, der an meinem Stuhl herumsägt", sagte er dem Fernsehsender N24. Auch die "Leute in den Büschen", die ihn kritisiert hätten, seien inzwischen "verstummt". Für sein Machtwort an die Adresse dieser anonymen Kritiker habe er aus den SPD-Ortsvereinen eine "unglaubliche Zustimmung" erhalten.

Beck bekräftigte, dass er seine Haltung zur SPD-Kanzlerkandidatur zur gegebenen Zeit deutlich machen werde. "Sie wissen, dass, wenn man zu früh kräht, man meistens in der Suppe landet", betonte der Mainzer Regierungschef. Trotz derzeit schlechter Umfragewerte für die SPD rechne er 2009 wieder mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union. "Mir ist eine Schwächephase jetzt lieber als ein Jahr oder Monate vor der Bundestagswahl", sagte Beck.

Beck: Linkspartei hat ihren Zenit überschritten

Der SPD-Vorsitzende zeigte sich unverändert überzeugt davon, dass es in Westdeutschland auf Länderebene keine Bündnisse der SPD mit der Linken geben wird: "Im Westen wäre es ein kapitaler Fehler, wenn wir mit diesen undifferenzierten, teilweise chaotischen Leuten Politik machen würden." Nach seiner Einschätzung hat die Linkspartei ihren Zenit ohnehin bereits überschritten. Den Begriff des demokratischen Sozialismus im neuen Parteiprogramm verteidigte Beck. Dieser Begriff entspreche zwar nicht mehr heutigem Sprachgebrauch, gehöre aber zur SPD-Geschichte, "zu dem wir uns gerne bekennen". Der designierte SPD-Vize und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte kürzlich erklärt, man könne auf diesen Begriff verzichten.

Trotz der derzeit schlechten Umfragewerte für seine Partei rechnet Beck mit einem knappen Ausgang bei der Bundestagswahl in zwei Jahren. "Am Ende wird das wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Union und SPD", sagte er dem Nachrichtensender N24. Die schlechten Umfragewerte seiner Partei würden derzeit ein "schiefes Bild" ergeben. Eine aktuelle Schwächephase sei ihm jetzt lieber als kurz vor der Bundestagswahl.

Beck lässt Kanzlerkandidatur offen

Für seine bevorstehende Wiederwahl auf dem SPD-Parteitag in Hamburg rechnet Beck mit einem "ordentlichen Ergebnis": "Ich sehe niemanden, der an meinem Stuhl herumsägt." Auch die "Leute in den Büschen", die ihn kritisiert hätten, seien inzwischen "verstummt". Es sei seine Aufgabe, Kontinuität in der Amtsführung an der Spitze der SPD sicherzustellen. Die SPD müsse ihre Bemühungen verstärken, wieder "soziale Kraft" in Deutschland zu sein.

Zur Frage der SPD-Kanzlerkandidatur sagte Beck: "Sie können davon ausgehen, dass ich klar weiß, was ich will." Dies werde er zu einem gegebenen Zeitpunkt deutlich machen. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage des Magazins "Stern" erreicht der SPD-Chef bei den Beliebtheitswerten derzeit 18 Prozent gegenüber 59 Prozent für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In der Wählergunst liegt die SPD bei 25 Prozent, die Union dagegen bei 40 Prozent.  (mit ddp/dpa)

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