SPD-Chef Sigmar Gabriel wird wieder Vater : Seine K-Frage

Manchmal ist das Private politisch. Im Frühjahr 2017 wird SPD-Chef Sigmar Gabriel noch einmal Vater. Es gibt etwas, das ist größer als Politik.

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Sigmar Gabriel und seine damalige Lebensgefährtin und heutige Frau Anke auf einem Archivbild von 2009. Foto: dpa
Sigmar Gabriel und seine damalige Lebensgefährtin und heutige Frau Anke auf einem Archivbild von 2009.Foto: dpa

Manchmal ist das Private eben doch nicht privat. Sondern wird, gleichsam wie von selbst, politisch. Selbst wenn das derjenige, um den es geht, gar nicht wollte: Sigmar Gabriel. Alle Welt redet davon, dass Angela Merkel wieder Kanzlerin werden will und wie „Mutti“ (CDU-Jargon) das wohl schafft – und da kommt die Meldung, dass der SPD-Vorsitzende und amtierende Vizekanzler wieder Papi wird. Und wieder wird es ein Mädchen.

Zwei Töchter hat der 57-Jährige schon, eine ist erwachsen, die zweite, Marie, vier Jahre alt. Ihrethalben hat Gabriel seine Kabinettsdisziplin ein wenig gelockert, um nach den Sitzungen nach Goslar fahren zu können und die Kleine vom Kindergarten abzuholen. Mittwoch ist Papi-Tag.

Außerdem will Gabriel ein guter Ehemann sein, ein moderner, und das Familienbild auch leben, das seine Partei vorgibt. Das heißt im Alltag: Wenn Gabriels Frau, die Zahnärztin Anke Stadler, die Hilfe ihres Mannes braucht, kann der nicht Nein sagen. Jedenfalls nicht immer und nur dann, wenn sonst die Republik Schaden nähme.

Monatelang geheim gehalten

Neben allen Glückwünschen zu der neuerlichen Vaterschaft hat Gabriel aber logischerweise sofort erkannt, dass jetzt sofort die Diskussionen, ja Spekulationen in der SPD und darüber hinaus losgehen werden, ob und was das für eine Kanzlerkandidatur bedeuten mag. Seine Kanzlerkandidatur.

Monatelang hat das Ehepaar Gabriel-Stadler das schöne Geheimnis für sich hüten können. Lange Monate. Erst jetzt kommt die Nachricht an die Öffentlichkeit, durch den „Stern“. In dieser Zeit hatten die beiden die Chance zum gründlichen Nachdenken, was wohl richtig für sie als Familie ist.

Und für die SPD gleich mit. Gabriel sagt dazu nur, auf eine, seine mögliche Kandidatur habe der Familienzuwachs keinen Einfluss. „Nein, denn wir haben uns vor der Entscheidung, ein weiteres Kind zu bekommen, alles gut überlegt.“ Alles gut überlegt… Das kann alles heißen. Auch das wird sich der SPD-Chef gut überlegt haben.

Noch ein Zitat zum Nachdenken. Gefragt nach einer Babypause im Frühjahr, antwortet Gabriel: „Das geht im Wahlkampf leider nicht.“ Der Satz hallt nach. Will er sagen, dass er einen Wahlkampf macht? Oder dass er am liebsten keinen machen würde?

Manchmal ist das Private politisch. Gabriel weiß, wovon er spricht. Er kennt den Slogan der Frauenbewegung. Für ihn ist das nichts Neues. Neu ist heute, dass einer mit Macht auch Familie lebt. Wer ihn je mit Familie erlebt hat, der weiß: Es gibt etwas, das größer ist als die Politik. Sogar als die SPD.

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