Politik : SPD denkt über Rentenbonus für ältere Arbeitnehmer nach

Rainer Woratschka

Berlin - Die SPD will prüfen lassen, ob Arbeitnehmer über 60 Jahre für ihre Rente einen Bonus erhalten sollen. Damit solle ein Anreiz für längere Lebensarbeitszeiten geschaffen werden, heißt es. Formuliert ist der Prüfauftrag in einem Antragsentwurf für den SPD-Parteitag am nächsten Wochenende. Allerdings regt sich in der Partei bereits Widerstand. Unter dem Gesichtspunkt Verteilungsgerechtigkeit sei die Idee „Unfug“, sagte der SPD-Rentenexperte Anton Schaaf dem Tagesspiegel. Auf diese Weise würden „Arbeitnehmer bevorzugt, die das Glück hatten, übers 60. Lebensjahr hinaus gesund geblieben zu sein“, warnte er. „Denen, die sich kaputtmalocht haben, wird man damit nicht gerecht.“

Hinzu komme, „dass die Bonusidee schlecht in die Systematik des deutschen Rentenversicherungssystems passt“, so Schaaf. Diese folgt dem Prinzip, dass sich die Rentenhöhe nach den jeweils eingezahlten Beiträgen richtet, die Arbeit bestimmter Bevölkerungsgruppen für die Rentenbemessung also nicht wertvoller ist als die anderer. Die Deutsche Rentenversicherung wollte sich zu dem Prüfauftrag nicht äußern. Aber auch andere SPD-Abgeordnete sind skeptisch. Die Logik des Prüfauftrags habe sich ihnen noch nicht wirklich erschlossen, sagen sie hinter vorgehaltener Hand.

Es solle „geprüft werden, Rentenversicherungszeiten, die im Alter von 60 Jahren plus erreicht werden, mit einem besonderen Punktwert rentensteigernd wirksam zu machen“, heißt es in dem Entwurf, der auch die umstrittene Forderung nach einer längeren Bezugsdauer des Arbeitslosengelds I für Ältere enthält. Das Programm soll am Montag nochmals im Parteivorstand diskutiert werden.

Statt über einen „fragwürdigen“ Rentenbonus sollte man lieber über die Erwerbsminderungsrente diskutieren, forderte Schaaf. „Sie zu stärken, wäre angezeigt.“ Eine von Parteivize Elke Ferner geleitete Arbeitsgruppe hat angeregt, diese Rente auch denen zu zahlen, die mehr als sechs Stunden pro Tag leichte Tätigkeiten ausüben können, aber wegen Gesundheitsschäden nicht vermittelbar sind. Bisher haben nur Arbeitnehmer Anspruch darauf, die weniger als drei Stunden arbeiten können. Rainer Woratschka

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben