• SPD-Fraktionsvize Michael Müller ist für einen gelassenen Umgang mit dem ehemaligen Parteivositzenden

Politik : SPD-Fraktionsvize Michael Müller ist für einen gelassenen Umgang mit dem ehemaligen Parteivositzenden

Herr Müller[Lafontaine hat eine Abrechnung &]

Herr Müller, Lafontaine hat eine Abrechnung über die Tage nach der Übernahme der Regierungsverantwortung vorgelegt. Ist das eine Kampfansage, will er sich noch einmal einschalten in der SPD?

Die bisherigen Veröffentlichungen scheinen mir zu großen Teilen der Ausdruck seiner eigenen Verärgerung darüber zu sein, dass er Anfang des Jahres alle Ämter niedergelegt und sich damit selbst auf ein Abstellgleis begeben hat. Nach meinem ersten Eindruck ist seine Abrechnung zu sehr rückwärtsgewandt und für eine konstruktive Bearbeitung der Schwierigkeiten, in denen sich das Land und die SPD zur Zeit befinden, gar nicht geeeignet.

Nach der Lektüre fragt man sich, ob die Harmonie des Duos Schröder/Lafontaine, das die SPD zum Wahlsieg geführt hat, immer nur Schein und nicht Sein gewesen ist.

Diese Frage richtet sich in erster Linie an Oskar Lafontaine. Denn er war in dem Duo zweifellos der stärkere Teil. Aber auch in diesem Punkt scheint mir die hauptsächliche Intention zu sein, dass Oskar Lafontaine sein eigenes Handeln rechtfertigen will. Ich befürchte, dass dies - bei aller berechtigten Kritik an den gemachten Fehlern - wirklich kein Beitrag zu dem ist, was wir jetzt brauchen. Die SPD trägt jetzt die Verantwortung dafür, die Politik in der Bundesrepublik erfogreich umzusteuern. Ich plädiere sehr dafür, gelassen mit dem Buch von Lafontaine umzugehen und alle Spitzen und überzogenen Reaktionen zu unterlassen. Zumal mir vieles doch durch eine persönliche Brille geschrieben zu sein scheint.

Lafontaine zählt zu denen in der SPD, die sich immer vorgestellt haben, die globale Wirtschaftsentwicklung durch politisches Handeln beeinflussen und gestalten zu können. Eine Vorstellung, der Sie als Linker in der SPD nicht fern stehen...

Nein, sehr nahe!

Hat es dieser Politikansatz durch Lafontaines Vorgehen jetzt schwerer in der SPD?

Es ist völlig richtig, dass wir im Augenblick in einer Situation sind, in der sich prinzipiell die Frage stellt, ob Politik überhaupt noch möglich ist. Die Veränderungen durch die globale Entwicklung sind so fundamental, dass wir vielleicht vor einer zweiten großen Herausforderung an die Poltik stehen, die in diesem Jahrhundert schon einmal katastrophal gescheitert ist. Unbeschadet der Frage, ob Lafontaine recht hat oder nicht, ist der Kern der Auseinandersetzung tatsächlich die Frage, ob die Politik Wirtschaft und Technik überhaupt noch gestalten kann. Aber da muss ich nun einmal feststellen: Oskar Lafontaine hat sich leider dieser Auseinandersetzung durch seinen eigenen Schritt entzogen.

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