SPD in Mecklenburg-Vorpommern : Manuela Schwesig: "Verantwortung macht mir keine Angst"

Sie ist eine der größten Nachwuchshoffnungen der SPD, am Dienstag wird Manuela Schwesig die jüngste Ministerpräsidentin Deutschlands. Lesen Sie hier vorab Auszüge aus unserem großen Schwesig-Porträt.

Manuela Schwesig wird am Dienstag in Schwerin zur neuen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Die stellvertretende Parteivorsitzende war vorher Bundesfamilienministerin.
Manuela Schwesig wird am Dienstag in Schwerin zur neuen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Die...Foto: Sophia Kembowski/dpa/Bildfunk

Vor der Wahl zur neuen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern an diesem Dienstag hat die künftige Landeschefin und ehemalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) im Tagesspiegel darüber gesprochen, warum sie keine Angst vor der neuen Aufgabe hat, obwohl sie erst 43 Jahre alt ist. Sie sagte: „Als Jugendliche nach der Wende war mein Gefühl irgendwann, ich will das jetzt selbst in die Hand nehmen, ich suche mir meine Chance selbst. Ich wollte mich unabhängig machen von dem, was andere einem so raten. Verantwortung zu übernehmen ist für mich deshalb selbstverständlich. Sie macht mir keine Angst, sie macht Spaß.“

Schwesig galt immer als mögliche Nachfolgerin des bisherigen Ministerpräsidenten Erwin Sellering, der erst im letzten Spätsommer die Landtagswahlen gewinnen konnte. Sellering aber erkrankte schwer und muss nun seine Ämter ruhen lassen. Er bat Schwesig, sein Amt zu übernehmen. Die gebürtige Brandenburgerin ist 2003 Mitglied im SPD-Kreisvorstand Schwerin geworden, 2007 wurde sie Fraktionschefin im Schweriner Stadtrat, 2008 machte sie Sellering zur Ministerin für Soziales und Gesundheit, nur ein Jahr später berief sie der damalige SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in sein Kompetenzteam für die Bundestagswahl ebenso wie 2013 Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Nach der verlorenen Bundestagswahl 2013 wurde Schwesig in der großen Koalition Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

"Ich war die jüngste Schülerin, die jüngste Ministerin - für mich ist das normal"

Dem Tagesspiegel sagte sie vor ihrer Wahl am Dienstag: „Ich war die jüngste Schülerin in meiner Klasse, die jüngste Ministerin, jetzt die jüngste Ministerpräsidentin. Für mich ist das normal. Ich hatte einen Weg, auf dem ich sehr früh Verantwortung übernehmen musste, das hat mich geprägt, aber auch selbstbewusst gemacht.“

Trotz ihrer erst 43 Jahre gilt Schwesig in der SPD als eine der größten Nachwuchshoffnungen, der vieles zugetraut wird. Beim wichtigen Programmparteitag vor zehn Tagen in Dortmund, bei dem es vor allem darum ging, Martin Schulz wieder stark zu machen, war sie die Eingangsrednerin, die den Parteitag in Stimmung versetzen sollte. Selbst Alt-Genossen wie Gerhard Schröder oder Franz Müntefering waren überrascht von der Vehemenz und Entschlossenheit ihrer Rede.

Bei ihrem Abschied aus dem Familienministerium musste Schwesig kurz weinen. Auf die Frage, wann Gefühle in die Politik gehören, sagte sie: „Als Politikerin darfst du öffentlich bei einem Abschied, wie bei mir aus dem Ministerium, vielleicht noch Gefühle mit Tränen zeigen, aber sonst möglichst nicht. Es wird einem eher als Schwäche ausgelegt.“ Dennoch findet sie, dass man in der Politik "Emotionen nicht verdrängen dürfe, aber man darf sie "auch nicht übergroß werden lassen". Schwesig weiter: "Es ist wirklich schwierig, einen Mittelweg zu finden. Findet man ihn nicht, verliert man die Empathie für Menschen und stumpft selbst ab.“

Am Sonntag wurde Schwesig auf einem Sonderparteitag in Linstow mit 91 Prozent der Stimmen zur neuen Landesparteichefin gewählt und als Ministerpräsidentin nominiert. Schwesig sagte, mit ihr trete nun eine neue Generation an. Sie wolle auch andere animieren, Eigenverantwortung zu übernehmen. Es solle das Signal ausgehen: "Es lohnt sich hier im Land zu bleiben oder zurückzukehren." Mecklenburg-Vorpommern hat große demografische Probleme. Die wichtigsten Ziele ihrer Regierung seien wirtschaftliche Stärke, Familien und Bildung und der soziale Zusammenhalt. Gleichzeitig kündigte Schwesig an, sie wolle auch als Landeschefin die Partei in den kommenden Bundestagswahlkampf führen.

Lesen Sie das große Porträt über Manuela Schwesig ab Montagagabend im E-Paper des Tagesspiegel oder am Dienstag in der Printausgabe auf der Dritten Seite. Sie findet den Text auch ab Dienstag im digitalen Kiosk Blendle.

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