Politik : SPD in NRW fürchtet Desaster

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Joachim Poß ist ein Einzelfall in der nordrhein-westfälischen SPD. „Ich gehe nicht auf die vorderen Plätze, ich kämpfe um meinen Wahlkreis“, sagt der Gelsenkirchener, bisher stellvertretender Fraktionschef im Bundestag. Poß gehört zu den Mutigen in den Reihen der SPD, denn seit die Genossen die Landtagswahl verloren und manch ein Kandidat sogar einen 20-Prozent-Vorsprung verspielt hat, geht die Angst um. „Da gibt es großen Druck auf die vorderen Listenplätze“, gibt einer aus der Parteiführung zu. In der Tat sehen die Demoskopen die SPD im größten Bundesland gegenwärtig nur noch bei 30 Prozent, während die CDU mit 44 Prozent auf dem Niveau ihres Landtagswahlergebnisses taxiert wird.

Poß ficht das alles auch deshalb nur mäßig an, weil er davon ausgeht, seinen Wahlkreis in Gelsenkirchen trotzdem zu behalten. Immerhin blieb das Ruhrgebiet auch bei der Landtagswahl überwiegend rot. Man hofft, dass sich daran trotz der neuen linken Konkurrenz nichts ändern wird. „Für Oskar Lafontaine schäme ich mich nur noch“, sagt etwa Generalsekretär Mike Groschek. Er will bemerkt haben, dass Lafontaines Annäherungsversuche an den Rechtspopulismus viele Traditions-Sozis abschreckt. Immerhin kann der Parteigeneral verkünden, dass in den vergangenen acht Wochen 1000 neue Mitglieder zur SPD in NRW gestoßen sind.

Den Genossen ist klar: Wenn die SPD in Nordrhein-Westfalen auch nur annähernd so schlecht abschneidet, wie es die Demoskopen gegenwärtig abbilden, wird die Wahl bundesweit ein Desaster. Im Jahr 2002 holte Gerhard Schröder an Rhein und Ruhr mit 44 Prozent ausreichend Stimmen, um noch vor der Union zu liegen und die Schwächen im Süden der Republik zu überdecken. Auf Platz eins der Liste, die an diesem Samstag in Bochum aufgestellt wird, soll deshalb Franz Müntefering auf Stimmenfang gehen. Während er bei den Genossen in Berlin in der Kritik steht, kann er sich auf die Heimat verlassen. Dahinter tummeln sich Angelika Schwall-Düren, Kurt Bodewig, Ulla Schmidt und Michael Müller. Allein Wolfgang Clement hat aus der Ministerriege darauf verzichtet, um eine Rückfahrkarte nach Berlin zu kämpfen. Besonders gute Chancen hätte er wohl auch nicht gehabt.

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