Politik : SPD kürt Kanzlerkandidaten schon am 2.März

Entscheidung am Tag nach der Niedersachsen-Wahl / Politischer Aschermittwoch mit Schlagabtausch der Parteien BONN/PASSAU (tib).Die SPD wird unmittelbar nach der niedersächsischen Landtagswahl über ihren Kanzlerkandidaten entscheiden.Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering gab gestern überraschend bekannt, daß der Parteivorstand am 2.März zu einer Sondersitzung nach Bonn eingeladen wurde.Die SPD-Spitze hatte entsprechende Gerüchte bisher dementiert.Während Parteichef Oskar Lafontaine zum politischen Aschermittwoch im bayerischen Vilshoven weilte, gab Müntefering in Bonn den neuen Zeitplan bekannt."Diese Sondersitzung ist zwischen Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder vereinbart worden, und auch, daß sie Mitte dieser Woche bekanntgegeben wird." Die Absprache sei vor "einigen Wochen" getroffen worden.Er selbst kenne sie schon "lange, so lange wie die beiden auch".Der Vorschlag, den der Parteivorstand am Montag machen werde, richte sich an den Parteitag am 17.April in Leipzig.Die Parteivorstandssitzung am 16.März, die nach allen bisherigen Äußerungen der SPD-Spitze die Kandidaten-Entscheidung treffen sollte, wird sich mit dem Wahlprogramm befassen.Im Januar hatte sich die SPD-Spitze erkennbar gegen den Willen von Gerhard Schröder darauf verständigt, daß der Parteivorstand erst zwei Wochen nach der Landtagswahl über die Kanzlerkandidatur entscheiden solle.Das wurde allgemein als eine Schwächung der Chancen Schröders gewertet, der seinerseits immer einen engen Zusammenhang zwischen dem Ausgang der Niedersachsenwahl und der Kandidatenentscheidung betont hatte.Müntefering vermied gestern jede Äußerung zu Wahlerfolg und Kandidatenentscheidung: "Wenn die Sozialdemokraten in Niedersachsen gut abschneiden, dann ist das der erste Schritt zum Ende von Helmut Kohl."Unterdessen kam der Wahlkampf am Politischen Aschermittwoch so richtig in Fahrt.Der SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine rief im niederbayerischen Vilshofen 1998 zum "Jahr der Abrechung" mit der Politik der unionsgeführten Regierungen in Bonn und Bayern aus.Vor etwa 7500 Anhängern in der Passauer Nibelungenhalle mobilisierten CSU-Chef Theo Waigel und Ministerpräsident Edmund Stoiber die Wähler gegen eine rot-grüne Koalition im Bund.Unmittelbar neben der Nibelungenhalle ging der Bonner Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Joschka Fischer, vor etwa 1000 Anhängern mit der "Mißwirtschaft" der Regierung scharf ins Gericht.Der Kanzler habe sich mit seinem Abrücken vom Ziel einer Halbierung der Arbeitslosigkeit "als Märchenonkel geoutet".

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