SPD-Linke : „Der Name Peer Steinbrück bereitet mir keine Pickel mehr“

Die SPD-Linke söhnt sich mit Peer Steinbrück aus. Seine Kanzlerkandidatur rückt nun in den Bereich des möglichen.

Hans Monath/Christian Tretbar
Die Zeit arbeitet für ihn. Seine Vorschläge zur Bankenregulierung haben Steinbrück Lob von der Partei-Linken eingebracht. Und damit ist er einer Kanzlerkandidatur näher gerückt. Foto: dpa
Die Zeit arbeitet für ihn. Seine Vorschläge zur Bankenregulierung haben Steinbrück Lob von der Partei-Linken eingebracht. Und...Foto: dpa

Die Reaktion der SPD-Linken auf die Vorschläge von Peer Steinbrück zur Bankenregulierung klang fast schon überschwänglich. Kaum hatte der Ex-Finanzminister sein Konzept in der Bundestagsfraktion vorgestellt, meldete sich Hilde Mattheis, Sprecherin des Forums Demokratische Linke (DL 21), zu Wort und lobte den Plan. Ihr Kollege von der Parlamentarischen Linken (PL), Ernst Dieter Rossmann, jubelte: „Da hat Peer Steinbrück einen großen Wurf hingelegt.“

Lange schienen die Gräben zwischen vielen Sozialdemokraten links der Parteimitte und dem Ex-Finanzminister unüberbrückbar – und in manchen kritischen Äußerungen über Steinbrück schwang auch Feindschaft mit. Doch nun rückt eine Kanzlerkandidatur des 65-Jährigen in den Bereich des Möglichen. Gleichzeitig entkrampft sich das bislang schwierige Verhältnis zur Linken, auch wenn er damit noch nicht zum Favoriten des Parteiflügels für die Kanzlerkandidatur aufrückt. „Der Name Peer Steinbrück bereitet mir als Parteilinkem keine Pickel mehr“, sagt PL-Sprecher Rossmann jetzt. Dabei spielt die Bankenregulierung, mit der Steinbrück den Nerv seiner Partei traf, eine wichtige Rolle. Sie ist aber nicht der einzige Grund. Die Aussicht auf eine erneute Juniorpartnerschaft in einer großen Koalition, in Umfragen eine wahrscheinliche Konstellation, lähmt die Partei. Von den drei Anwärtern auf die Kandidatur kann Steinbrück dieses Schreckgespenst am glaubwürdigsten vertreiben: Er schließt als Einziger kategorisch aus, je wieder in ein Kabinett Merkel einzutreten.

Auch die öffentliche Erwartung an eine Kandidatur des gebürtigen Hamburgers lässt manche Linke nachdenklich werden. „Viele bereiten sich auf die Eventualität vor, dass er es wird“, heißt es. Parteichef Sigmar Gabriel muss immer weniger mit einem öffentlichen Aufstand gegen Steinbrück aus den eigenen Reihen rechnen, falls er sich für ihn entscheidet. Führende Parteilinke sind mit Steinbrück regelmäßig im Gespräch.

Einer von dessen schärfsten Kritikern war lange Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner. Vor rund zehn Monaten begründete der Sprecher der Parteilinken im SPD-Bundesvorstand sein Misstrauen gegen Steinbrück auch mit dem Hinweis, dessen verbale Zugeständnisse an die eigene Partei seien „eher taktischer Natur“. Dem Steinbrück-Biografen Daniel Friedrich Sturm sagte Stegner damals, ein Kanzler Steinbrück würde es der SPD schwer machen, weil die Partei für ihn dann „noch weiter in den Hintergrund rücken“ werde. Die Sorge, dass ein im Kanzleramt angelangter Steinbrück kaum mehr Rücksicht auf das sozialdemokratische Parteiprogramm nehmen würde, treibt die Parteilinken weiter um. Doch laut sagen will das mittlerweile kaum noch einer.

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