SPD : Murren nach Müntes Paarlauf

Franz Müntefering sorgt in der SPD für nachhaltige Irritationen. Von "Disziplinlosigkeit", "Uneinsichtigkeit" und "Starrsinn" des Vorsitzenden ist die Rede. Dabei geht es wohl vor allem um sein privates Glück - und seinen Umgang damit.

Stephan Haselberger
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Stiehlt Franz Müntefering (l.) mit seiner neuen Freundin Michelle Schumann dem SPD-Kanlzerkandidaten die Show? Die Partei ist...Foto: dpa

BerlinBei der SPD erfreut sich das Berliner Umspannwerk steigender Beliebtheit. Am vergangenen Samstag hatten die Sozialdemokraten unmittelbar vor ihrem Bundesparteitag zum Journalistenabend in die Kreuzberger Veranstaltungsräume geladen; am Dienstag darauf feierte die Parlamentarische Linke (PL) in der SPD-Bundestagsfraktion zum Abschluss ihrer jährlichen Wanderung bei Döner und Bier die gelungene Parteitagsrede von SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier.

Für Franz Müntefering erweist sich die Kreuzberger Halle hingegen nicht als optimale Kulisse, im Gegenteil. Mit seinen Auftritten am Parteiabend und bei der PL-Feier hat der SPD-Vorsitzende für nachhaltige Irritationen gesorgt. Von „Disziplinlosigkeit“, „Uneinsichtigkeit“ und „Starrsinn“ ist in der SPD die Rede; manche sehen gar den Anfang von Ende der Ära Müntefering heraufziehen.

Konkret wird Müntefering vorgeworfen, sich am Samstag auf dem Parteiabend zu seiner 40 Jahre jüngeren Partnerin Michelle Schumann bekannt zu haben – auf die Gefahr hin, die Aufmerksamkeit von Steinmeier auf sich selbst zu lenken. Etliche Genossen empfanden Münteferings Paarlauf als in höchstem Maße unsolidarisch gegenüber dem Kandidaten. Andere fragten, wie ein solches Vorgehen zu vereinbaren sei mit dem Bild des Pflichtmenschen, das Müntefering bisher von sich gezeichnet hat. Auch Steinmeier selbst sei nicht erfreut gewesen, heißt es in SPD-Kreisen.

Steinmeier soll mehr Einfluss nehmen

Auf Unverständnis stieß in Teilen der Partei auch Münteferings neuerliche Kritik an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Steinmeier hatte in seiner Parteitagsrede auf derartige Attacken verzichtet. Er folgte damit der allgemeinen Erkenntnis, dass die Angriffe auf den „Baron aus Bayern“ der SPD mehr schaden als nutzen. Müntefering aber wiederholte in seiner Ansprache an die Abgeordneten der PL seinen Anti-Guttenberg-Spruch: „Lieber links und frei als Freiherr und rechts.“

Dass zwei missglückte Müntefering Auftritte in der SPD ein solches Echo auslösen, liegt auch an der Niederlage bei der Europawahl. Das Desaster hat den Nimbus des Parteichefs vom instinktsicheren Wahlkampfmagier beschädigt, auf dem ein Teil seiner Autorität als Parteichef beruht. Auch Münteferings Umgang mit dem Wahlergebnis wirkte nicht sehr souverän. Dass viele Wähler die Rettungsbemühungen der SPD für Opel und Arcandor ganz offensichtlich nicht honoriert hatten, führte er in einem Interview indirekt auf einen Mangel an Solidarität zurück. „Das war Selbstrechtfertigung und Publikumsbeschimpfung“, sagt einer aus der engeren SPD-Führung. Dabei sei es Müntefering selbst gewesen, der den Kurs der Partei mit voreiligen Rettungsversprechen für Arcandor diskreditiert und so zur Niederlage beigetragen habe.

In der SPD wird nun erwartet, dass Frank-Walter Steinmeier stärker als bisher Einfluss auf die Ausrichtung des Wahlkampfs nimmt. Für den wünschen sich manche Sozialdemokraten vor allem eines: „Mehr Steinmeier, weniger Müntefering.“ 

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