SPD : Organspende für Ehefrau: Steinmeier nimmt Auszeit

Frank-Walter Steinmeier wird sich vorübergehend aus der Politik zurückziehen. Der SPD-Fraktionschef erklärte, dass er seiner erkrankten Frau eine Niere spenden werde. Joachim Poß wird die Geschäfte als Fraktionsvorsitzender übernehmen.

Am Sonntag, 12. Februar 2017, wurde Frank-Walter Steinmeier zum zwölften Bundespräsidenten der Bundesrepublik gewählt. Foto: Odd Andersen/ AFPWeitere Bilder anzeigen
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14.11.2016 11:45Am Sonntag, 12. Februar 2017, wurde Frank-Walter Steinmeier zum zwölften Bundespräsidenten der Bundesrepublik gewählt.

Politische Auszeit aus privaten Gründen: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier will seiner schwer erkrankten Ehefrau eine Niere spenden und zieht sich deshalb "für einige Wochen" aus der Politik zurück. Zahlreiche Spitzenpolitiker in Berlin äußerten sich am Montag berührt und reagierten mit Hochachtung auf diese Entscheidung.

Seine Frau leide seit einigen Wochen an einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung, erläuterte Steinmeier. "Ich werde selbst der Spender sein." Er fügte hinzu: "Sie haben sicherlich Verständnis dafür, dass ich deshalb für einige Wochen nicht auf der politischen Ebene aktiv sein werde." Der 54-jährige SPD-Politiker und seine Frau, die 48 Jahre alte Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender, sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits an diesem Dienstag in einer Klinik operiert werden. Steinmeier sagte, er sei angesichts der ärztlichen Expertise sehr zuversichtlich, dass er nach dem Eingriff wieder ohne Einschränkung aktiv sein könne.

Während Steinmeiers Abwesenheit wird der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß die Amtsgeschäfte übernehmen. Dies sei mit dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel abgestimmt, sagte Steinmeier. Der 61-jährige Poß ist der dienstälteste Fraktionsvize und Finanzexperte.

Der Fraktionsvorsitzende verband seine Äußerungen mit der Bitte an die Medien, angesichts der Erkrankung seiner Frau seine Privatsphäre zu respektieren und von Nachforschungen im privaten Bereich abzusehen. Das Paar hat eine 14-jährige Tochter. Steinmeier kündigte an, er werde die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren. Den Ort des Klinikums, in dem der Eingriff stattfinden wird, nannte Steinmeier nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte Steinmeier Kraft und Zuversicht für die Genesung seiner Ehefrau. Die Nachricht, dass Elke Büdenbender so ernsthaft erkrankt ist, habe Merkel traurig und besorgt gemacht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Kanzlerin habe am Morgen mit Steinmeier telefoniert und ihm alles Gute gewünscht.

Die "bedrückende Nachricht" von der Erkrankung von Steinmeiers Frau beschäftigte auch das SPD-Präsidium. Die Nachricht mache deutlich, wie unwichtig vor dem Hintergrund solcher Lebensfragen manchmal politische Meinungsverschiedenheiten seien, sagte SPD-Chef Gabriel. "Wir sind in den nächsten Tagen und Wochen bei ihm und drücken ihm die Daumen." Gabriel betonte: "Es fehlt uns ein wichtiger Mensch. Aber er wir ja wiederkommen." Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) lobte Steinmeier. "Das verdient unseren Respekt und unsere Hochachtung", sagte er. "Mit seinem Handeln bei der Organspende ist Frank-Walter Steinmeier ein Vorbild, wenn es darum geht, das Thema stärker in die Gesellschaft zu tragen." Menschlich habe ihn der Schritt sehr berührt, sagte Rösler.

Auch FDP-Chef Guido Westerwelle übermittelte Steinmeier Genesungswünsche. Der Außenminister unterbrach am Montag eine Sitzung des FDP-Präsidiums, um mit seinem Amtsvorgänger Steinmeier zu telefonieren. "Er wünschte ihm persönlich und seiner Frau alles Gute für die Bewältigung der schwierigen Situation", sagte ein Sprecher.

Linke-Chefin Gesine Lötzsch wünschte Steinmeier und seiner Frau viel Glück für die bevorstehende Operation. Sie nannte die geplante Nierentransplantation eine "sehr achtenswerte Sache". (dpa)

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