SPD-Parteitag : Kandidatencasting in Berlin

Auf ihrem Parteitag will die SPD keinen Kanzlerkandidaten küren. Trotzdem gilt er als Bewährungsprobe für die drei Hoffnungsträger Gabriel, Steinmeier und Steinbrück. Wer hat die besten Chancen?

Stephan Haselberger
Steinbrück, Gabriel, Steinmeier (von links).
Steinbrück, Gabriel, Steinmeier (von links).Foto: dpa

Manchmal wirken Politiker-Worte regelrecht putzig. Die Generalssekretärin der SPD, Andrea Nahles, hat dafür gerade ein schönes Beispiel geliefert. An diesem Sonntag versammeln sich die Sozialdemokraten in den Hallen des früheren Postbahnhofes in Kreuzberg zu ihrem Bundesparteitag. Drei Tage lange wollen 480 Delegierte in der „Station Berlin“ über den Kurs bis zur Bundestagswahl 2013 beraten. Mit Beschlüssen unter anderem zur Finanz- und Steuerpolitik sollen die Weichen für den Machtwechsel im Bund gestellt werden. „Die SPD ist gerüstet“ – das ist die Botschaft, mit der sich die Genossen nach Nahles Worten in die Weihnachtsferien verabschieden wollen. Keinesfalls soll der Kreuzberger Konvent hingegen als dreitägiges Schaulaufen der drei möglichen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel wahrgenommen werden. Nahles: „Wir werden uns nicht hineintreiben lassen in die K-Debatte.“ Hineintreiben lassen? Das ist schon deshalb eine putzige Betrachtungsweise, weil die SPD-Spitze den Ablauf des Parteitages selbst so festgesetzt hat, dass an einem Vergleich der Aspiranten weder Medien noch Delegierte vorbeikommen werden, selbst wenn sie wollten. Am Sonntag, nach einer einleitenden Rede des beliebtesten deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt, spricht der Fraktionsvorsitzende Steinmeier zur Krise Europas. Am Montag dann hält Parteichef Gabriel seine Grundsatzrede. Am Dienstag schließlich, wenn es um das Finanz-und Steuerkonzept geht, hat Ex-Finanzminister Steinbrück das Wort. Und ein jeder in dieser Troika weiß genau, dass der Platz am Rednerpult ein Prüfstand ist.


Mit welchen Voraussetzungen geht Frank- Walter Steinmeier ins SPD-Kandidaten-Casting?
Anders als Gabriel und oftmals auch Steinbrück ist der Fraktionschef kein begnadeter Redner. Auch sein Thema, die Krise Europas und des Euro, eignet sich wenig, um Begeisterungsstürme zu entfachen. Steinmeier ist außerdem ein viel zu ernsthafter Politiker, um bei Fragen von dieser Tragweite auf Zuspruch zu schielen. Aber womöglich erwarten die Delegierten von ihm auch keine besonders mitreißende, sondern eine besonders kluge, eine wegweisende Rede. Auch das ist keine leichte Aufgabe. Insbesondere dann nicht, wenn erst der Weltökonom Helmut Schmidt spricht.


Dafür ist Steinmeiers Ausgangslage im Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur besser als die Gabriels und ebenso gut wie die Steinbrücks – jedenfalls wenn man die Umfragen zugrunde legt. Dem ARD-„Deutschlandtrend“ zufolge führen Steinmeier und Steinbrück die Beliebtheitsskala deutscher Politiker mit einem Zustimmungswert von 57 Prozent an. Außerdem würden viele Genossen vom linken Flügel Steinmeier derzeit den Vorzug vor Steinbrück geben. Sie glauben, dass der Fraktionschef seine Zusagen im Gegensatz zu Steinbrück auch als Kanzler einhalten würde. Überhaupt meinen fast alle in der SPD, dass Steinmeier ein hervorragender Regierungschef wäre. Die Skepsis gilt vielmehr seinen Fähigkeiten als Wahlkämpfer. „Er wäre der richtige, die Frage ist nur, wie wir ihn ins Kanzleramt hineinkriegen sollen“, seufzt ein führender Sozialdemokrat.

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