SPD : Rückhalt für Beck schwindet

Nur 16 Prozent der Deutschen halten Beck für geeignet, 2009 als SPD-Kanzlerkandidat Bundeskanzlerin Angela Merke herauszufordern - und mehr als die Hälfte wollen einen neuen SPD-Chef. Auch viele der Genossen glauben nicht mehr an Beck.

Stefan Uhlmann[ddp]
Kurt Beck
Kurt Beck: 65 Prozent der Deutschen wollen einen neuen SPD-Chef. -Foto: ddp

BerlinDer Rückhalt für SPD-Chef Kurt Beck bei den Bürgern und in der eigenen Partei schwindet. Laut einer Umfrage trauen nur 16 Prozent der Bürger Beck die Kanzlerkandidatur zu. Außenminister Frank-Walter Steinmeier wurde von 30 Prozent und Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) von 19 Prozent genannt.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte Loyalität gegenüber Beck. Er appellierte auch an die SPD, sich wieder stärker um die Leistungsträger der Gesellschaft zu kümmern. Die hessische SPD ebnete am Wochenende den Weg für eine Zusammenarbeit mit der Linken im Land.

Der SPD-Oberbürgermeister von Osnabrück, Boris Pistorius, sprach sich für Steinmeier und gegen Beck als Kanzlerkandidat aus. Steinmeier wäre wegen seiner hohen Glaubwürdigkeit der beste Kandidat, sagte Pistorius. Beck hat jedoch "ungeschickt" versucht, die SPD zur Linken zu öffnen, findet Pistorius. Auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) lobte die "Kompetenz und Seriosität" Steinmeiers und würde ihn gern als Kanzlerkandidat sehen, falls Beck verzichtet.

Zudem wünschen sich einer Emnid-Umfrage zufolge 54 Prozent der SPD-Anhänger einen neuen Parteichef. 42 Prozent wollen demnach Beck behalten. In der Gesamtbevölkerung meinen 65 Prozent, dass die SPD einen neuen Chef bräuchte. Nur 23 Prozent setzen weiter auf Beck.

Generalsekretär Hubertus Heil zeigte sich dennoch überzeugt, dass Beck "die SPD wieder nach vorne bringen" wird. Es bleibe auch dabei, dass Beck Ende 2008 oder Anfang 2009 einen Vorschlag zur K-Frage mache. Neben dem Spitzenkandidaten soll es ein Kompetenzteam geben. Heil beklagte zudem die Vielstimmigkeit in der SPD. "Der Bevölkerung muss wieder klar werden, dass Sozialdemokraten nicht um sich selbst kreisen, sondern sich den Problemen unseres Landes stellen", mahnte Heil.

Gabriel: "Soziale Kompetenz alleine reicht nicht aus"

Auch Gabriel forderte die SPD zur Geschlossenheit auf. Dazu gehöre die "aktive Unterstützung" gewählter Personen. Das gelte insbesondere für den Vorsitzenden und seine Stellvertreter. Gabriel verlangte in einem Essay ein Ende der "Nabelschau" der SPD. Die Bürger interessierten andere Themen als der nächste SPD-Kanzlerkandidat und der Umgang der SPD mit der Linken.

Gabriel bemängelte, dass die SPD "derzeit kein politisches Angebot für die tatsächlichen Leistungsträger hat, die die wahre Mitte unserer Gesellschaft bilden". Die SPD ist "gefordert, ihre Mitte und die der bundesdeutschen Gesellschaft neu zu entdecken". Eine Reduzierung auf soziale Kompetenz allein reicht nicht aus. Die SPD werde den "Wähler-TÜV" nur bestehen, wenn sie auch den Realitätstest in der Wirtschafts- und Finanzpolitik besteht.

Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti forderte ihre Partei auf, sich für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zu öffnen. Sie glaube, dass die Bürger in diesem Punkt schon viel weiter seien als gedacht, sagte Ypsilanti am Samstag auf einem Landesparteitag der SPD in Hanau. Auch die anderen SPD-Landesverbände müssten irgendwann ihr Verhalten gegenüber der Linkspartei in einem Fünf-Parteien-System klären. (kj/ddp)

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