• SPD schlägt "Blanko-Rezept" vor: Koalition will Gang zum Physiotherapeuten einfacher machen

SPD schlägt "Blanko-Rezept" vor : Koalition will Gang zum Physiotherapeuten einfacher machen

Die Koalition will den Gang zum Physiotherapeuten einfacher machen: Künftig sollte statt der detaillierten Heilmittelverordnung ein vom Arzt ausgestelltes "Blanko-Rezept" ausreichen, schlägt die SPD vor. Die Union erwägt sogar, auf den bisher nötigen Arztbesuch ganz zu verzichten.

Bislang übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen eine Behandlung nur dann, wenn der Arzt eine Heilmittelverordnung ausgestellt hat.
Bislang übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen eine Behandlung nur dann, wenn der Arzt eine Heilmittelverordnung ausgestellt...Foto: dpa

Ziel der geplanten Reform ist es unter anderem, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren, wenn die Behandlung durch einen Physiotherapeuten ansteht. Die SPD will die Hausärzte dabei aber nicht komplett außen vor lassen.

Sie sollten weiterhin der erste Ansprechpartner bei Beschwerden bleiben und ihre "Lotsenfunktion" ausüben, forderte die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis. Nach ihren Vorstellungen soll der Therapeut künftig aber selbst über Art und Umfang der Behandlung entscheiden können.

Bislang übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen eine Behandlung - abgesehen von der erforderlichen Zuzahlung - nur dann, wenn der Arzt eine Heilmittelverordnung ausgestellt hat. Sie legt Art und Dauer der Therapie fest. Dies macht einen erneuten Arztbesuch erforderlich, wenn die Behandlung verlängert werden soll.

Positionspapier der Union

In einem Positionspapier der Unionsfraktion wird auf Modellvorhaben von Krankenkassen verwiesen, in denen das Prinzip der Blankoverordnung bereits erprobt wird. Ergebnisse seien bis zum Jahresende zu erwarten, auf dieser Grundlagen sollten 2016 Verhandlungen zur Umsetzung der Blankoverordnung aufgenommen werden.

Darüberhinaus solle geprüft werden, ob auf den vorherigen Arztbesuch und eine Verordnung gänzlich verzichtet werden kann, heißt es in dem AFP vorliegenden Text aus der Union.

In anderen Ländern gehört der "Direktzugang" zur Regelversorgung

In Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Großbritannien und Australien gehöre dieser "Direktzugang" zur Regelversorgung, heißt es in dem Positionspapier weiter. Er "erweist sich hier als Zugpferd für eine gesteigerte Behandlungsqualität durch höhere Anforderungen an die Ausbildung". Dafür müssten die Therapeuten aber zusätzliche Qualifikationen erwerben, etwa für die Befunderhebung oder die Erstellung von Therapieberichten.

Auch die SPD-Abgeordnete Mattheis verwies darauf, dass die Therapeuten im Zuge der Reform mehr Kompetenzen, etwa zur Erstellung von Diagnosen, erhalten müssten. Deshalb werde die Reform einige Zeit in Anspruch nehmen.

Krankenkassen offen für die Vorschläge

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zeigte sich offen für die geplanten Änderungen. "Es ist eine Daueraufgabe im Gesundheitswesen, immer wieder auszubalancieren, wie viel von der traditionell ärztlichen Tätigkeit auch an Dritte übertragen werden kann", erklärte Verbandssprecher Florian Lanz. AFP

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