SPD : Solide Basis

Die Sehnsucht nach einfachen Argumenten - oder: Wie Kurt Beck in der Partei an Rückhalt gewinnt.

Liva Haensel[Matthias Meisner],Christian Tretbar
Beck
Die sozialdemokratische Seele gestreichelt: Kurt Beck. -Foto: ddp

Berlin - SPD-Chef Kurt Beck hat mit Erfolg die sozialdemokratische Seele gestreichelt. Nach dem Zukunftskongress seiner Partei am Wochenende in Hannover sehen viele Genossen die Position des Parteivorsitzenden gestärkt. In einer Umfrage des Tagesspiegels begrüßen sie, dass Beck dabei ist, seine bisherige Moderatorenrolle aufzugeben und die Konflikte auch in der großen Koalition im Bund stärker zuzuspitzen. Für unbefriedigend halten viele die aus ihrer Sicht nach wie vor die nicht ausgereifte Strategie im Umgang mit der Linkspartei des früheren SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine.

Hannover-Region ist der größte SPD-Unterbezirk in Deutschland und Heinrich Aller ist als dessen Chef sehr zufrieden mit Kurt Beck: „Er hat die richtige Antwort auf die Kritik gegeben“, sagt Aller. Eine Personaldiskussion wolle sich niemand von außen aufdrängen lassen. Im niedersächsischen Friesland hält man davon auch nichts. Kurt Beck ist unumstritten – gerade nach seinem Auftritt in Hannover. „Das hat der Partei gut getan“, sagt Olaf Lies, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Friesland. Auch die Nachbarn aus Schleswig-Holstein stehen (fast) alle geschlossen hinter Beck. Dieter Heß, Geschäftsführer Region Kiel, Eckernförde, Rendsburg, Neumünster sagt: „Ich habe nichts an Beck auszusetzen. Was ich vermisse, ist etwas mehr Durchsetzungsvermögen.“ Rolf Fischer, SPD-Kreisvorsitzender für Kiel, wünscht sich von ihm eine stärkere Ausrichtung auf die Länderpolitik. „In der großen Koalition kann er nicht viel bewegen, er sollte sich daher stärker um die Basis bemühen.“

Auch in Hessen wird die Rolle Becks weitgehend positiv bewertet. „Es war eine klare, offensive und emotionale Rede von Kurt Beck – eine eindeutige Widerlegung der Stimmungsmache der vergangenen Woche“. sagt Ex-Finanzminister Hans Eichel, der jetzt für den Wahlkreis Kassel im Bundestag sitzt. Doch es gibt auch Kritik. „Beck hat zwei, dreimal daneben gelegen und dadurch ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagt Carsten Müller, Unterbezirksvorsitzender der SPD im Kreis Offenbach. Eine Alternative sieht er nicht. „Die Personaldecke der SPD ist sehr dünn.“ Er warnt auch vor einem Linksruck seiner Partei. „Dann werden wir weiter verlieren“. Das sieht man in Bayern traditionell anders. Gerade in Mittelfranken ist die Linkspartei stark verankert und das beschäftige die Genossen, sagt Michael Bischoff, Kreisvorsitzender der SPD Fürth-Land. „Deshalb gibt es eine Sehnsucht nach einfachen Argumenten.“

Auch viele ostdeutsche Genossen bescheinigen Beck, er habe in Hannover seinen Führungsanspruch untermauern können. Gerade in Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo die SPD als Juniorpartner der CDU um die Schwierigkeiten einer solchen Koalition weiß, kam es gut an, dass Beck und auch Vizekanzler Franz Müntefering die Differenzen deutlicher machten als bisher. Der Leipziger Unterbezirksvorsitzende Gernot Borriss sagt, die Attacken auf CDU/CSU seien „richtig und gut“. Debatten um Beck gehörten nun der Vergangenheit an: „Er ist der Chef“, meint Borriss. Und Silke Schindler, SPD-Vorstandsmitglied aus Sachsen-Anhalt, pflichtet bei: „Es gibt keinen Besseren.“ Auch Sabine Friedel, Stadträtin aus Dresden, hat sich in Hannover überzeugen lassen. „Ich finde es gut, dass der Ton rauer wird.“ Woran sich viele Ost-Genossen stören: Dass kaum einer aus der Parteispitze fragt, wie sie sich in den vergangenen Jahren mit der PDS auseinander gesetzt haben. „Das Problem erreicht erst jetzt die Gesamtpartei“, sagt die Landtagsabgeordnete Schindler aus Wanzleben. Und kritisiert, dass die Führung zu lange gehofft habe, dass sich die Angelegenheit mit den Linken demographisch schon irgendwann erledigen werde.

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