Politik : SPD-Spendenaffäre: Index der Ehrlichkeit

Torsten Hampel

Das Ausmaß von Bestechung in einem Land ist statistisch nicht messbar, sagen Sozialwissenschaftler. Auch der von der Organisation Transparency International (TI) jährlich erstellte Korruptionsindex kann das nicht abbilden. Der Index veranschaulicht nur, wie die Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit staatlicher Institutionen von unabhängigen Experten wahrgenommen werden.

Zum Thema Online Spezial: Die SPD-Spendenaffäre Bestochen wird nicht öffentlich, kommt Korruption dennoch ans Licht, dann in der Regel durch Ermittlungen von Polizei und Justiz. Deren Zahlen sind für ein Korruptions-Gesamtbild aber wenig brauchbar, sagt ein Sprecher von TI. Und würde man etwa die Anzahl von Ermittlungsverfahren oder Verurteilungen als Gradmesser für das Ausmaß von Bestechung in einem Land heranziehen, wäre das sogar wissenschaftlich unseriös. Eine solche Zahl belege nur die Fähigkeit der Strafverfolgungsbehörden, Korruption aufzudecken, zeige jedoch nicht deren tatsächliches Ausmaß. Oft führt die statistische Auswertung von Gerichtsakten sogar in die Irre.

"Wir können uns nur auf Geschäftsleute und Bankmanager berufen, die von Berufs wegen potenziell mit Korruption in Berührung kommen könnten", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Johann von Lambsdorff, der TI bei der Erstellung des Bestechungsindex berät. Im Jahr 2001 konnte die Organisation dabei auf insgesamt 14 Meinungsumfragen von sieben internationalen Institutionen zurückgreifen, darunter Untersuchungen der Weltbank und des Weltwirtschaftsforums. Für die im Sommer des vergangenen Jahres veröffentlichte, aktuelle Rangliste wurde die Situation in 91 Ländern untersucht. Am wenigsten korrupt sind danach die Finnen. Nigeria dagegen befindet sich auf dem letzten Listenplatz. Deutschland liegt an zwanzigster Stelle.

Die Ergebnisse der führenden Industriestaaten fallen in aller Regel deshalb besonders positiv aus, weil der Korruptionsindex vor allem die Bestechung in öffentlichen Ämtern zu messen versucht. Er spiegelt aber beispielsweise keine geheimen Zahlungen zur Finanzierung von Wahlkämpfen wider oder die Beteiligung von Banken an Geldwäsche-Geschäften und auch nicht die Bestechung durch multinationale Firmen in ihren Exportländern.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar