SPD sucht Kanzlerkandidaten : Gabriel bringt Mitgliederentscheid zur K-Frage ins Spiel

Es ist der erste gemeinsame Auftritt der SPD-Troika um Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück. Das heikelste Thema versuchen sie zu umschiffen, nur einer hält sich nicht ganz dran.

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Die SPD-Troika auf einer Bühne: Peer Steinbrück, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Foto: dapd
Die SPD-Troika auf einer Bühne: Peer Steinbrück, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.Foto: dapd

So wünscht man sich den Auftakt einer Wahlkampfshow wohl als sozialdemokratischer Hoffnungsträger. „Wir wollen den Kanzler sehen“, singen die Jungsozialisten nach der gleichen eingängigen Melodie, nach der Fußballfans sonst „Ihr könnt nach Hause gehen“ skandieren. Wild schwingen sie ihre roten Juso-Fahnen, als Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück in die Halle des Elmshorner Männerturnvereins einziehen.

Die drei potenziellen Kanzlerkandidatin der SPD haben sich für ihren ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt seit ihrer Pressekonferenz im Sommer 2011 in Berlin die 50 000-Einwohner-Stadt Elmshorn nördlich von Hamburg ausgesucht. Die in die Jahre gekommene Turnhalle ist ein Kleine-Leute-Ort, statt Polsterstühlen stehen dort einfache Holzbänke. Obwohl am gleichen Abend in der Champions League Bayern München gegen Real Madrid antritt, sind die 400 Hallenplätze voll besetzt. Und die Zuhörer zeigen sich von Anfang an ziemlich klatschfreudig.

Eine Video-Einladung von Sigmar Gabriel zum Live-Chat heute von 12 bis 13 Uhr:

Video
SPD-Chef Sigmar Gabriel von 12 bis 13 Uhr im Live-Chat auf www.tagesspiegel.de. Foto: dpa
SPD-Chef im Chat

Gekommen sind die drei Bundespolitiker, um den schleswig-holsteinischen SPD-Spitzenkandidaten zu unterstützen. Weil Torsten Albig aber noch auf dem Weg von einem anderen Termin ist, stellt Landtagskandidatin Beate Raudies erst mal die drei Gäste aus Berlin vor. Im unerklärten Kampf um die Spitzenkandidatur beobachten sich die drei potenziellen Spitzenleute der SPD für die Bundestagswahl 2013 seit Monaten gegenseitig sehr genau. Doch die Elmshorner verteilen keine eindeutigen Noten, sondern klatschen gleich heftig für jeden der drei Namen. Natürlich haben sie bei SPD versichert, dass es bei dem Auftritt nur um die Landtagswahl und nicht etwa um die Troika gehe. Der Parteichef aber hielt sich nicht ganz dran: "Wenn es mehrere gibt, werden das die Mitglieder der deutschen Sozialdemokratie entscheiden", sagte der Parteichef. Das

In den neun Monaten seit der gemeinsamen Berliner Pressekonferenz im Juli 2011 hat jeder der drei SPD-Politiker schon Hochphasen erlebt – zumindest in den Medien. Erst galt im Herbst Steinbrück als Favorit, dann im Dezember Gabriel. Doch der Parteichef lieferte dann selbst Stichworte für die Zweifel an seiner Seriosität und Berechenbarkeit. Und wurde dann zum zweiten Mal Vater. Der 52-Jährige hat angekündigt, er wolle im Sommer drei Monate Elternzeit nehmen.

Dagegen scheint Fraktionschef Steinmeier entschlossener denn je, die Chance zu wahren, die sein hart erarbeitetes Ansehen in Partei und Fraktion ihm bieten. Auffällig viele Signale seiner Bereitschaft hat Steinmeier in den vergangenen Wochen in die Welt gesetzt. Er könne schnell entscheiden, wenn es vorgezogene Neuwahlen gebe, ließ er wissen. Und er erklärte, Umfragewerte seien natürlich ein Kriterium bei der Auswahl des Merkel-Herausforderers. Steinmeier selbst führt in den Zahlen der Demoskopen.

50 Minuten später kommt der Spitzenkandidat in die Halle. Albig war als Pressesprecher lange Jahre einer der engsten Mitarbeiter des damaligen Finanzministers Steinbrück – seitdem nennt er ihn einen Freund. Doch auf dem Podium verteilt auch der Spitzenkandidat seine Sympathiebeweise gerecht: Er umarmt der Reihe nach alle drei Gäste.

Kein Thema befeuert die Zuhörer an diesem Abend so sehr wie die Attacken auf das von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante Betreuungsgeld. Er warte noch darauf, dass die Bundesregierung den Bürgern bald Geld für nicht gelesene Bücher aus der Bücherei verspreche, ätzt Albig vom Podium. Er selbst, so beteuert er, werde die versprochenen Krippenplätze schaffen. Mit der Hilfe einer SPD-geführten Bundesregierung. „Der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland steht hier am Tisch“, verkündet Albig seinen Wählern siegessicher.

Wollen Sie mit Sigmar Gabriel über die K-Frage der SPD diskutieren? Oder über ein anderes politisches Thema? Dann haben Sie heute in der Zeit zwischen 12 und 13 Uhr die Gelegenheit dazu. Denn Sigmar Gabriel ist in dieser Zeit im Live-Chat auf www.tagesspiegel.de

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