SPD-Troika : Einer muss gewinnen

Beim SPD-Zukunftskongress präsentieren sich die möglichen Kanzlerkandidaten so verschieden, wie sie sind.

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Peer Steinbrück gilt als Favorit im Rennen um die Kanzlerkandidatur der SPD.
Peer Steinbrück gilt als Favorit im Rennen um die Kanzlerkandidatur der SPD.Foto: dpa

Für den besten Auftritt des Tages verteilt der Fraktionschef viel Lob: „Hervorragend“ sei die Rede von Peer Steinbrück gewesen, sagt Frank-Walter Steinmeier am Ende des „Zukunftskongresses“ der SPD-Fraktion auf eine Frage von Journalisten. Seinen eigenen Auftritt will der Gastgeber ausdrücklich nicht bewerten: „Das schreiben Sie doch ohnehin.“

Zwar hatte Generalsekretärin Andrea Nahles zur Eröffnung klargestellt, dass es auf der zweitägigen Veranstaltung um ein Modernisierungsprogramm für „Deutschland 2020“ und keineswegs um die Kanzlerkandidatur gehen sollte. Doch allen Sozialdemokraten war klar, dass die Auftritte von Steinmeier, Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel auf dem Kongress vor allem vor dem Hintergrund der offenen K-Frage gehört und gelesen würden.

Prägnant, knapp und kämpferisch präsentiert sich der Ex-Finanzminister bei seinem Auftritt, bei dem er mit der schwarz- gelben Regierung abrechnet und 29 Minuten bilderreich den Spannungsbogen hält, so dass auch Nicht-Volkswirte seiner Analyse der Stärken Deutschlands und der politischen Versäumnisse folgen können. Dagegen hat Steinmeier als Gastgeber den Tag mit einem fast 50-minütigen Referat eröffnet, das fast alle Kongress-Themen wie Infrastruktur und Bildung behandelt, in dem aber nur wenig Leidenschaft zu spüren ist. Und Gabriel, der stets in der Lage ist, rhetorische Feuerwerke abzubrennen, scheint sich bei seiner Abschlussrede für den Kongress bewusst zurückzunehmen.

Die Auftritte zeigen die komplizierte Lage, in der sich die SPD vor der Entscheidung über ihren Kanzlerkandidaten wiederfindet. Da ist der Parteichef, dem entgegen manchen Spekulationen über seine geheimen Ambitionen kaum jemand in der SPD zutraut, dass er nicht allein nach den größten Gewinnchancen entscheidet. Ihm kommt das Vorschlagsrecht zu. Steinmeier hat in der Partei die meisten Unterstützer, bis hin zur Parteilinken. Doch zugleich fragen sich viele Sozialdemokraten, ob der erfolglose Kandidat des Wahljahres 2009 wirklich brennt und kämpfen will. Ein Kandidat, der im Wahlkampf als kommender Vizekanzler Angela Merkels wahrgenommen würde, wäre der Albtraum der Partei. Steinmeier weiß das: „Wir wollen nicht Juniorpartner sein, sondern die Regierung von vorne führen.“

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