SPD und CDU : Parteivolk sympathisiert mit Sarrazin

01.09.2010 17:22 UhrVon Antje Sirleschtov
Der Wirbel um Thilo Sarrazin und sein Buch "Deutschland schafft sich ab" hält weiter an. Foto: ddp
Der Wirbel um Thilo Sarrazin und sein Buch "Deutschland schafft sich ab" hält weiter an. - Foto: ddp

Unter den Anhängern und Mitgliedern der beiden Volksparteien SPD und CDU findet der Bundesbanker Thilo Sarrazin (SPD) mit seinen provokanten Integrationsthesen offenbar breite Unterstützung.

SPD-Chef Sigmar Gabriel gestand am Mittwoch ein, der Umgang der Partei mit Sarrazin sei „den Wählern und an der SPD-Basis nicht leicht zu vermitteln“. In Zuschriften und Anrufen werde die Parteispitze wegen des Ziels, Sarrazin aus der SPD zu werfen, auch gefragt, „ob das denn nötig ist“. In der SPD-Zentrale sollen in den vergangenen Tagen rund 2000 Mails eingegangen sein, deren Verfasser sich zu etwa 90 Prozent hinter den früheren SPD- Finanzsenator in Berlin gestellt haben. Gabriel sagte, es müsse klargestellt werden, „dass es bei diesem Ausschluss nicht um Sarrazins Kritik an den Fehlern der Integrationspolitik geht, sondern um sein fatales menschenverachtendes Menschenbild“.

Er betonte zugleich, Sarrazin habe „jede Chance, sich zu korrigieren“.

Auch an der CDU-Basis erhält Sarrazin Unterstützung. „Die weit überwiegende Zahl der Mitglieder und Anhänger der CDU stimmt den Beschreibungen von Sarrazin zu“, sagte der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach dem Tagesspiegel. Man teile an der Basis zwar dessen Erbtheorien nicht und kritisiere, dass der ehemalige Finanzsenator kaum vernünftige Vorschläge mache. Dessen Beschreibung der Defizite bei der Bildung von Kindern und der Missstände in der Integration treffe aber auf breite Zustimmung. „Die Leute sagen: Der Mann hat doch recht.“

Der Verbleib von Sarrazin im Bundesbank-Vorstand ist weiter offen. Nach mehrstündigen Beratungen sah der Vorstand der Bank am Mittwoch noch weiteren Gesprächsbedarf und vertagte seine Entscheidung bis zum heutigen Donnerstag. Auch über das weitere Prozedere des Parteiausschlussverfahrens wollen die SPD-Gremien in Berlin noch in dieser Woche entscheiden.

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