Politik : SPD will Heil imWahlkampf „Macher“ zur Seite stellen

Stephan Haselberger

Berlin - SPD-Generalsekretär Hubertus Heil genießt als designierter Wahlkampfleiter seiner Partei offenbar nicht das uneingeschränkte Vertrauen der SPD- Spitze. Nach Tagesspiegel-Informationen hat sich das SPD-Präsidium am Montag auch deshalb dafür entschieden, einen „strategischen Koordinator“ für den Wahlkampf zu berufen, weil Heil selbst nicht über genügend Erfahrung verfügt. Dem 35-Jährigen werde ein „Macher“ an die Seite gestellt, der bereits Bundestagswahlkämpfe geführt habe, hieß es dazu am Dienstag aus Präsidiumskreisen. Wer dieser Macher sein wird, soll maßgeblich vom künftigen SPD-Kanzlerkandidaten entschieden werden.

Heil selbst hatte am Montag nach der Präsidiumssitzung auf einer Pressekonferenz den Eindruck erweckt, der „strategische Koordinator“ solle vor allem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der SPD-Zentrale modernisieren. „Es geht darum, uns mit Sachverstand – vor allem was die Kommunikation in einem modernen Medienzeitalter anbelangt – in dieser Führung so zu verstärken, dass wir auf der Höhe der heutigen Zeit Wahlkampf führen können.“ In der SPD-Spitze wurde dies als Versuch Heils gewertet, auf Kosten von Parteisprecher Lars Kühn das Gesicht zu wahren. Heil wolle vom eigentlichen Vorgang ablenken, hieß es. Bereits vor Wochen war aus den Reihen der SPD-Führung vorhergesagt worden, dass Heil im Wahlkampf einen oder mehrere „Helfer“ erhalten werde. Hintergrund war unter anderem interne Kritik an ersten Überlegungen des Generalsekretärs für eine Wahlkampfkonzeption.

Bei den Mitarbeitern des Willy- Brandt-Hauses löste Heils Auftritt am Montag nach der Präsidiumssitzung Verärgerung aus. Der Generalsekretär wolle Parteisprecher Kühn faktisch entmachten, berichtete am Tag darauf die „Frankfurter Rundschau“. Heil sah sich daraufhin zu einem Dementi genötigt. In der „Süddeutschen Zeitung“ vom Mittwoch versichert er nun, die SPD werde gerade im Wahlkampf auf die Fähigkeiten und Erfahrungen des „hervorragenden Sprechers“ Kühn setzen. Dies sei auch die Auffassung des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck. Stephan Haselberger

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