Politik : Spende mit Folgen

FDP-Fraktionschef im Schweriner Landtag soll Gelder zweckentfremdet haben

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Mit einer Parteispende hat der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern, Michael Roolf, vor einem Jahr versucht, eine angebliche Fehlbuchung vom Fraktionskonto aus der Welt zu schaffen. Jetzt bringt ihn der Vorgang erneut ins Schwitzen. Denn der FDP fällt es schwer, Roolfs selbstlose Großzügigkeit zu erklären. Der Vorwurf, zumindest für gewisse Zeit Fraktionsgelder zweckentfremdet zu haben, könnte Roolf das Amt kosten. Genährt wird er unter anderem von Horst Krumpen, dem einstigen Landesgeschäftsführer der Berliner FDP.

Im Frühjahr 2008 schickte eine FDP-nahe Berliner Druckerei der Fraktion eine Rechnung für die Fraktionsbroschüre „Der Frei-Denker“, die prompt beglichen wurde. Im Sommer 2009, angeblich kurz bevor die Prüfer vom Landesrechnungshof in die FDP-Bücher schauen wollten, kam fraktionsintern ans Licht, dass der „Frei-Denker“ längst bezahlt war. Falsch war jedoch nicht allein, dass der „Frei-Denker“ in Rechnung gestellt wurde. Falsch war angeblich auch der Adressat. Bezahlt werden sollte offenbar das Wahlkampfblatt „Frischer Wind am Sund“ für den damaligen FDP-Oberbürgermeisterkandidaten in Stralsund, Peter Friesenhahn. Dafür ist das Geld der Landtagsfraktion allerdings nicht vorgesehen. Auf Bitten der Fraktion zahlte die Druckerei das Geld zurück. Merkwürdigerweise ließ sich laut Roolf nicht mehr herausfinden, wer den „Frischen Wind“ bei der Druckerei in Auftrag gegeben hatte. Roolf zahlte aus eigener Tasche rund 4000 Euro an die Druckerei und bekam die Summe als Parteispende bescheinigt.

Roolf beteuert, dass er den „Frischen Wind“ nicht in Auftrag gegeben hat. Seine großzügige nachträgliche Wahlkampfhilfe ist in Stralsunds FDP nie richtig zur Kenntnis genommen worden. Kreisschatzmeister Nico Völker sagt, alle „Frischer-Wind“-Blätter seien aus der Kreiskasse bezahlt worden. Von einer Spende Roolfs wisse er nichts.

Horst Krumpen, der früher Roolfs Wahlkreisbüro in Wismar betreute, weiß zu berichten, er habe sich „auf ausdrücklichen Wunsch von Herrn Roolf“ mit dem damaligen Stralsunder Spitzenkandidaten ins Benehmen gesetzt und das Wahlkampfblatt konzipiert. Über den Weg der Rechnungen stellt Krumpen öffentlich keine Vermutungen an. Der langjährige FDP-Funktionär hat sich inzwischen mit Roolf heillos überworfen. Aus der FDP ist er in der vorigen Woche ausgetreten.

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