Politik : Spendenaffäre: Ex-Spion: Es gab kein Kohl-Gate

Die Leuna-Affäre um angebliche Schmiergeld-Zahlungen an deutsche Parteien und Politiker ist nach Angaben eines früheren französischen Geheimdienst-Offiziers in Wirklichkeit ein raffinierter Fall krimineller Unterschlagung. "Es gab kein Kohl-Gate", erklärte der Ex-Spion Pierre Lethier der "International Herald Tribune". Er wird im Zusammenhang mit dem Leuna-Fall selbst von der französischen Justiz gesucht. Bisher gehen die Ermittlungsbehörden Gerüchten nach, beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an den Konzern Elf Aquitaine 1992 seien Schmiergelder an die Christdemokraten geflossen. Im Gegensatz dazu erklärte Lethier, eine kleine Gruppe ranghoher Manager des Elf-Konzerns habe sich bei dem Leuna-Projekt illegal bereichert und nur nachträglich zur Täuschung vorgegeben, das Geld sei auf dunklen Kanälen an politische Parteien geflossen.

In Genfer Justizkreisen hieß es, der Vorwurf, dass neben Lobbyisten und Politikern auch Elf-Manager bei dem Leuna-Geschäft profitiert hätten, sei nicht neu. Das Geschäft sei nicht so simpel abgelaufen, wie es Lethier darzustellen versuche. In Frankreich und der Schweiz besteht nach wie vor der Verdacht, dass Elf bei der Übernahme der ostdeutschen Leuna-Raffinerie Bestechungsgelder gezahlt hat, um überhöhte staatliche Subventionen zu erhalten.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar