Spendenaffäre : Tony Blair weiter unter Druck

Der britische Premierminister Tony Blair ist in der Affäre um die mögliche Vergabe von Adelstiteln an reiche Parteispender zum zweiten Mal von der Polizei vernommen worden, teilten Scotland Yard und die Regierung mit.

London - Blair sei jedoch nur als Zeuge befragt worden, nicht als Beschuldigter. Die seit langem schwelende Affäre hatte sich in den vergangenen Tagen durch die vorübergehende Festnahme zweier Blair-Vertrauter zugespitzt. Die Vernehmung am Freitag vergangener Woche in Blairs Amtssitz in der Downing Street dauerte 45 Minuten. Auf Wunsch von Scotland Yard wurde sie jedoch erst mit mehreren Tagen Verspätung bekannt gegeben. In der Affäre geht es um den Verdacht, dass die Labour-Partei von Geschäftsmännern und Privatleuten illegale Millionenspenden bekommen hat, die als Kredite getarnt wurden. Im Gegenzug soll die Regierung den Spendern Adelstitel und Sitze im Oberhaus des Parlaments in Aussicht gestellt haben.

Blair ist in der britischen Geschichte der erste amtierende Premierminister, der sich einer Vernehmung durch die Polizei stellen muss. Den ersten Termin mit den Scotland-Yard-Ermittlern in der Downing Street hatte Blair Mitte Dezember. Ziel der abermaligen Vernehmung sei es gewesen, "einige Punkte aufzuklären, die sich aus der laufenden Ermittlung ergeben haben", sagte ein Polizeisprecher. Der Premierminister habe sich "voll kooperativ" gezeigt.

Muss Blair abtreten?

In der Öffentlichkeit setzte sich Blair gegen die Vorwürfe bereits mehrfach zur Wehr. Alle Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Opposition wies er zurück. Der Premierminister, der bereits seit 1997 regiert, will noch bis Herbst im Amt bleiben. Die britische Presse spekuliert darüber, dass Blair möglicherweise früher gehen muss, falls in der Affäre Anklage erhoben wird. Die vorübergehende Festnahmen des wichtigsten Labour-Spendenbeschaffers Michael Levy sowie einer weiteren Mitarbeiterin haben die Spekulationen verstärkt.

Mit den vermeintlichen "Geheimkrediten" soll sich die Labour-Partei im Wahlkampf 2005 umgerechnet mindestens 20 Millionen Euro beschafft haben. Allerdings sind auch andere Parteien von den Ermittlungen betroffen. (tso/dpa)

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