Spendenaktion : Hilfsgeld für Waffen

Bob Geldof hat in den 80er Jahren Millionen Dollar Spenden gesammelt. Wie die Millionenspenden für hungernde Äthiopier ausgegeben worden sind.

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Hilfe für Äthiopien. Bob Geldofs Hilfsaktion ist auch der Tigray Befreiungsfront des heutigen Premierministers zugute gekommen....AFP

Berlin - Es war 1984, als der Sänger der Band Boomtown Rats, Bob Geldof, bei einer Pressekonferenz den Satz rief: „Gebt uns euer Geld! In Äthiopien sterben Menschen.“ Kurz zuvor hatte der britische Sender BBC mit einer Reportage auf die verheerende Hungersnot nach einer schweren Dürre aufmerksam gemacht. Die Bilder und Geldof haben Millionen Dollar Spenden ausgelöst. Und zumindest zum Teil haben diese Spenden auch Leben in Äthiopien gerettet. Doch ein nicht geringer Teil dieses Geldes floss in die Tigray Befreiungsfront des heutigen Premierministers Meles Zenawi, der damals gegen das stalinistische Regime von Mengistu Haile Mariam kämpfte. Zwei ehemalige Offiziere der Befreiungsarmee haben der BBC nun berichtet, dass mehr als 90 Prozent der Hilfsgelder für den Kauf von Waffen und den Aufbau der Parteiorganisation (TPLF) verwendet worden seien. Beide haben sich mit Meles Zenawi überworfen und leben heute im Exil.

Gegenüber BBC wies Bob Geldof die Vorwürfe zurück. Die von ihm unterstützte Organisation One schwieg am Mittwoch. Auch die vom österreichischen Schauspieler Karlheinz Böhm gegründete Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“, die nur in Äthiopien arbeitet und zur gleichen Zeit dort angefangen hat, wollte sich am Mittwoch nicht äußern. Bernd Oldenkott, der damals deutscher Botschafter in Addis Abeba war, erinnert sich noch gut, dass sich Böhm damals oft an die Botschaft gewandt hat, wenn es Probleme gab. „Ich habe ihm manches Mal helfen können“, sagte er dem Tagesspiegel. Aus der Politik habe Böhm sich rausgehalten. Ob Böhms Organisation oder andere Hilfsorganisationen von der TPLF übers Ohr gehauen worden sind, oder für das Privileg, in Äthiopien zu arbeiten, haben bezahlen müssen, kann Oldenkott nicht sagen. In den Jahren des Bürgerkriegs „erfuhr man ja nichts“.

Simone Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe, sagt aber, dass seit den 80er Jahren „eine Professionalisierung“ bei den Hilfsorganisationen eingesetzt habe. Wenn heute ein Händler versuchen würde, Sandsäcke, in denen ein wenig Getreide obendrauf liegt, an eine humanitäre Organisation zu verkaufen, wie es einer der beiden TPLF-Funktionäre getan haben will, „würde man das merken“. Erstens würden heute große Mengen Nahrungsmittel, die beschafft werden sollen, über eine Ausschreibung aufgekauft, sagt Pott. Die Lieferungen würden dann auch auf Qualität und Standards überprüft, zumindest in Stichproben. Aber, dagegen, dass Hilfe politisch genutzt wird, können sich die Helfer nicht wehren. In Kriegsgebieten „muss man mit allen vor Ort relevanten Konfliktparteien in Kontakt treten“, um die Sicherheit einer Hilfsaktion zu gewährleisten. Simone Pott sagt, diese Garantien seien in der Regel kostenlos, weil eine Lebensmittelverteilung in einem bestimmten Gebiet für die dortigen „Kriegsfürsten“ eben auch ein Argument sei, mit dem sie punkten könnten. Meistens reiche die Drohung, die nächste Verteilaktion woanders zu veranstalten, um auch Rebellenorganisationen zur Kooperation zu bewegen.

Es gibt allerdings auch zumindest eine Region, in der das derzeit nicht funktioniert: Somalia. Peter Smerdon, Sprecher des Welternähungsprogramms (WFP) in Nairobi, sagte dem Tagesspiegel, dass die Nahrungsmittellieferungen für etwa 600 000 bedürftige Somalis im Januar eingestellt werden mussten, weil die Al-Shabbab-Miliz unannehmbare Forderungen gestellt hatte. So wollte sie beispielsweise 20 000 Dollar für vier Monate Sicherheitsgarantie für einige Regionen kassieren. Am Sonntag erklärte Al Shabbab das WFP zur unerwünschten Organisation. Smerdon hofft, dass es trotzdem bald wieder Wege zu den Bedüftigen geben wird. Aber eine Lösung zeichnet sich derzeit nicht ab.

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