Spendenaktion : Krieg, Tsunami, Krieg

Tagesspiegel-Aktion Ein Dach über dem Kopf: So halfen die 565.000 Euro der Tagesspiegel-Leserinnen und Leser.

Annette Kögel
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Angepackt. Letzte Arbeiten am Berufsbildungszentrum in Trincomalee. Foto: promo

Berlin/Colombo - So viel Geld hatten die Leserinnen und Leser des Tagesspiegel noch nie gespendet: 565 000 Euro waren nach der Naturkatastrophe für die Hilfsaktion mit der Deutschen Welthungerhilfe „Ein Dach über dem Kopf“ in Sri Lanka zusammengekommen. Es war eine der größten Hilfsaktionen einer deutschen Tageszeitung nach dem Tsunami, und eine in einer der umkämpftesten Regionen dieser Erde. Bürgerkrieg, Tsunami, Bürgerkrieg – vor allem im Norden der Insel im Indischen Ozean sind die Menschen noch heute traumatisiert.

Im Spendenverein des Tagesspiegels „Menschen helfen!“ engagieren sich derzeit unter Vorsitz von Chefredakteur Lorenz Maroldt sowie Personalchef und Jurist Moritz von Jagow Mitarbeiter aus Redaktion, Buchhaltung, Personalbüro, Vertrieb und New Business. Nach dem Seebeben stand der Beschluss fest: Wir wollten bewusst dort mit anpacken, wo die Ärmsten der Armen leiden, wo viele Hilfsorganisationen wegen der komplizierten politischen Lage gar nicht so schnell helfen konnten. Anders die Deutsche Welthungerhilfe (DWHH). Sie kooperiert schon lange mit der sri-lankischen Partnerorganisation Sewalanka, hat Vermittler zwischen singhalesischer Regierung und tamilischer Bevölkerung im Norden der Insel. So konnten mit 250 000 Euro Leserspenden 401 Übergangshäuser in Mullaitivu und 201 Behelfshütten in Trincomalee gebaut werden.

Niemand konnte vor fünf Jahren ahnen, dass der Bürgerkrieg wieder ausbrechen würde, und so wurden leider auch einige der Hütten getroffen. „Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, dass etliche der Übergangshäuser in und nahe Mullaitivu an der Nordostküste noch stehen“, sagt Barbara Charmber, DWHH-Länderreferentin für Sri Lanka. Das Gebiet ist zurzeit unzugänglich. Vor dem neuerlichen Aufflammen des Krieges waren die Häuser im Tamilengebiet lange bewohnt. Der Tagesspiegel nahm sie vor vier Jahren in Augenschein. Mit 115 000 Euro konnten darüner hinaus 21 Wohnhäuser in der ersten Bauphase im Ort Thithakarai westlich von Mullaitivu unterstützt werden.

Jetzt ist auch das Berufsbildungszentrum für Fischer in Trincomalee an der Ostküste an der früheren Grenze zwischen Tamilen- und Regierungsgebiet so gut wie fertig, hat DWHH-Experte Joachim Schwarz vor wenigen Tagen festgestellt. 100 000 Euro dafür kamen von „Ein Dach überm Kopf“. Die letzten 100 000 Euro flossen in den Bau von „Multiday-Booten“, 66 075 Euro kostet eines. Nach Kriegsende bekam Mitte des Jahres die tamilische Fischerkooperative in Veloor nahe Trincomalee ein Boot mit einem 14 Kilometer breiten und einem Kilometer langen Netz. 70 Fischer nutzen es, vier Männer trocknen die Fische, 15 sind Verkäufer. Das zweite Boot wird im Süden Sri Lankas von Sewalanka repariert und dann dem Berufsbildungszentrum übergeben.

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