SPENDENBILANZ : Ärger mit der Hilfe

Solch eine Hilfsbereitschaft gab es selten. Für die Opfer der Oderflut kamen rekordverdächtige 50 Millionen Euro zusammen. Die Menschen wollten helfen – doch bei der Verteilung gab es jede Menge Ärger. Bei der Elbeflut wurden sogar mehr als 300 Millionen Euro gespendet.

Die Hilfsorganisationen hatten inzwischen einiges gelernt: Mit dem Bund und dem Land Sachsen bauten das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Caritas International, die zum ersten Mal im Inland im Einsatz war, und die Diakonie Katastrophenhilfe eine gemeinsame Datenbank, Phönix, auf, um Doppelförderungen zu verhindern. Zudem einigten sie sich bereits während des Hochwassers darauf, was gefördert wird. Hans-Peter Beyer vom DRK sagt: „Die Erfahrung aus der Oderflut ist voll umgesetzt worden.“

Das DRK hatte mit 147 Millionen Euro die größte Summe zu verwalten – und ist bis heute damit beschäftigt. Allein in diesem Jahr wurden noch 17 Härtefälle reguliert. Mit der Überprüfung der Auszahlungen werden DRK, Caritas, Diakonie und Sachsen wohl noch bis Mitte kommenden Jahres beschäftigt sein. Das DRK hat aus der Elbeflut auch Lehren gezogen, von denen es bei den Hilfseinsätzen nach dem Erdbeben in Bam (Iran 2003) und dem Tsunami (2004) profitieren konnte. Beispielsweise gibt es jetzt eine ständige Leitzentrale, um schnell und koordiniert reagieren zu können.

Die Caritas (54 Millionen Euro) setzte beim Elbe-Einsatz auf ihre internationalen Erfahrungen. Bis heute laufen auch einige „Gemeinwesenprojekte“, deren Anschubfinanzierung aus Flutmitteln stammte. In Lommatzsch etwa produzieren Langzeitarbeitslose mit Ein-Euro-Jobs ihr eigenes Gemüse, Überschüsse werden auf dem Markt verkauft. Johannes Kniffki von der Caritas begründet das Programm so: „Die Leute waren vor der Flut arbeitslos, und sie sind es immer noch.“

Die Diakonie (72 Millionen) ist bis heute mit der Regulierung von Ölschäden beschäftigt. Einige Häuser mussten nach dem Wiederaufbau abermals abgerissen werden, weil die Ölschäden anders nicht zu beseitigen waren. Allerdings haben die Betroffenen nur in Ausnahmefällen für die Zukunft vorgesorgt – viele haben wieder auf Ölheizungen gesetzt. deh

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