Spiegel-Gespräch : Ärger über Christa Müller

Der Linken sind die familienpolitischen Thesen von Lafontaine-Ehefrau Christa Müller zu antiquiert.

Matthias Meisner
Müller
Für Kinder in Familien: Lafontaine-Ehefrau Christa Müller. -Foto: ddp

Berlin - In der Linkspartei erreicht der Ärger über Oskar Lafontaines Ehefrau Christa Müller die Spitzengremien der Partei. Am Montag verständigte sich der geschäftsführende Vorstand in Abwesenheit von Lafontaine darüber, die familienpolitischen Vorstellungen von Müller zum Thema der nächsten Vorstandssitzung am 25. August zu machen. Vizeparteichefin Katina Schubert sagte dem Tagesspiegel, Müller vertrete ein „antiquiertes Frauenbild“. Dieses stehe in völligem Widerspruch zu einer von der Partei geplanten Kampagne für mehr Kitaplätze.

Anfang August hatte Müller, familienpolitische Sprecherin der Linkspartei im Saarland, in einem „Spiegel“-Streitgespräch mit Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) die These vertreten, Kinder „fühlen sich in den Familien am besten aufgehoben, in denen Vater und Mutter Teilzeit arbeiten oder die Mutter Hausfrau ist“. Von einem „Arbeitszwang für Mütter“ halte sie deshalb gar nichts, in mehr Krippenplätzen sah sie letztlich einen „Zwang zur Fremdbetreuung“. Partei- und Fraktionschef Lafontaine hatte die Vorstellungen seiner Frau mit dem Hinweis verteidigt, der Landesverband Saar trete für „Wahlfreiheit“ und die finanzielle Anerkennung häuslicher Erziehung und Pflege ein.

Die Geschäftsführerin der Linksfraktion im Bundestag, Dagmar Enkelmann, schrieb dem „Spiegel“ einen Leserbrief: „Sollte der Eindruck erweckt werden, dass Christa Müller familienpolitische Grundsätze der Linken vertritt, so muss dem heftigst widersprochen werden.“ Müllers Positionen stünden teils „in einigem Widerspruch zu Papieren der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag“. „Diese fordern unmissverständlich den Aufbau eines flächendeckenden Netzes elternbeitragsfreier Kinderbetreuung.“ Aus Lafontaines Umfeld hieß es am Montag, auch die Bundestagsfraktion setze sich indirekt für mehr Wahlfreiheit ein, indem sie fordere, das Elterngeld künftig je zwölf Monate an Mutter und Vater zu zahlen, die Bezugszeiten sollten flexibel bis zum siebten Geburtstag des Kindes von den Eltern bestimmt werden können.

Vizeparteichefin Schubert sagte dagegen: „Von Wahlfreiheit kann man erst sprechen, wenn genug Betreuungsplätze vorhanden sind.“ Sie sprach von „handfesten Differenzen“, die auch mit Lafontaine „so schnell wie möglich“ diskutiert werden müssten. Christa Müller setze den Ruf der Linken als „emanzipatorische linke Partei“ aufs Spiel. Zuvor hatte schon die Frauenarbeitsgemeinschaft der Linkspartei erklärt, Müller vertrete „Rollenklischees aus der Mottenkiste“.

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