Politik : Spiegel steht weiter zu Friedman

Zentralratspräsident: Er hat als mein Stellvertreter keine Fehler gemacht / Justiz verzichtet auf Fingerabdrücke

Christian Böhme/Frank Jansen

Berlin . Trotz der Kokainfunde bei Michel Friedman steht die Führung des Zentralrats der Juden weiterhin hinter dem Vizepräsidenten. Er sehe derzeit keine Veranlassung, über Konsequenzen für die Arbeit Friedmans im Zentralrat nachzudenken, sagte Präsident Paul Spiegel am Freitag dem Tagesspiegel. „Es gibt keine Erkenntnisse darüber, dass Friedman bei der Ausübung seines Amtes als Zentralratsvize Fehler gemacht hat“, sagte Spiegel. Er wolle erst einmal abwarten, was die Rechtsprechung ergebe. „Ich greife nicht in ein schwebendes Verfahren ein", betonte der Präsident der Dachorganisation der 83 jüdischen Gemeinden in Deutschland. Schon nach dem Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Friedman wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauch hatte Spiegel sich vor seinen Kollegen gestellt und ihm sein „volles Vertrauen“ ausgesprochen.

Friedman selbst schweigt bisher zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Der 47-Jährige lässt aber vorerst seine Tätigkeit als TV-Moderator der Sendungen „Friedman“ und „Vorsicht Friedman“ ruhen. Am Mittwochmorgen waren bei einer Durchsuchung seiner Anwaltskanzlei und seiner Wohnung in Frankfurt am Main drei Päckchen sichergestellt worden, die nach ersten Untersuchungen Kokainreste enthielten.

An den Tütchen fanden sich nach Informationen des Tagesspiegels keine verwertbaren Spuren von Fingerabdrücken. Dies war nach Ansicht von Experten zu erwarten. Die in der Regel nur zwei bis drei Zentimeter großen Heftchen für maximal ein Gramm Kokain seien oft zerknittert. „Da kann man eigentlich keine Fingerabdrücke finden“, hieß es am Freitag in Sicherheitskreisen. Die Staatsanwaltschaft hatte denn auch darauf verzichtet, von Friedman Fingerabdrücke zu nehmen.

Gerüchte, gegen Friedman werde auch wegen möglicher Beziehungen zu Rotlichtmilieu und Menschenhandel ermittelt, wies die Berliner Justiz zurück. Es gebe nur ein Verfahren wegen des Verdachts, Friedman habe Betäubungsmittel besessen, sagte Sprecher Björn Retzlaff. Eine Zeugin aus einem Verfahren gegen eine ukrainisch-polnische Menschenhändlerbande hatte, wie berichtet, der Staatsanwaltschaft gesagt, Friedman hätte Kokain besessen.

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