Politik : Spiegel stellt Enthemmung fest: "Antisemitismus in elitären Zirkeln"

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, hat einen deutlichen Anstieg des Antisemitismus in Deutschland festgestellt. In einer Bilanz des ersten Jahres seiner Amtszeit sagte Spiegel dem Bonner "General-Anzeiger", der Antisemitismus stelle sich in den vergangenen Monaten in einer kaum vorstellbaren "enthemmten Art und Weise dar". Der Antisemitismus "grassiert mittlerweile in elitären Zirkeln. Man wirft mir in der feinen Gesellschaft, nicht am Stammtisch, vor, dass ich Antisemitismus erzeuge, dass die Juden Deutschland wieder aussaugten, weil sie das Mahnmal forderten oder jetzt die Entschädigungszahlungen. Die interessiert gar nicht, dass wir das Mahnmal nicht verlangt haben, oder dass nur 15 Prozent der entschädigungsberechtigten Zwangsarbeiter Juden sind", sagte Spiegel. Auch die persönlichen Beschimpfungen hätten zugenommen, schildert Spiegel, der am 9. Januar des zu Ende gehenden Jahres sein Amt antrat. "Bis zum Sommer waren in der Post zwei bis drei Prozent Beschimpfungen. Heute sind es 30 Prozent." Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt (Main), Salomon Korn, sagte im DeutschlandRadio, der Rechtsextremismus in Deutschland sei keine kurzfristige Erscheinung, sondern ein Langzeitphänomen in der Nachkriegsgeschichte.

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