Politik : Spielchen

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Olaf Scholz, der SPD-Generalsekretär, hat uns auf einen Gedanken gebracht. Am Montag tagen immer die Gremien der Parteien. Also traf sich auch die SPD-Spitze. Nur der Kanzler konnte nicht mitreden, der musste am Telefon nämlich Alliierte für seine Irak-Politik suchen. Gäbe es den Irak nicht, wäre dies ja die Woche der Reformen. Wir wissen inzwischen alle: Am Freitag erklärt Gerhard Schröder der Republik, wo’s lang geht. Und hier wären wir wieder bei Scholz. Der steht montags nach den Sitzungen immer vor einer blauen Wand im Willy-Brandt-Haus, die Statue des Ex-Kanzlers überlebensgroß neben sich, und sagt Sätze wie „es ist nicht meine Aufgabe …“, „die Haltung der Bundesregierung wird sich nicht ändern und ist immer gesetzestreu“, oder auch: „Es gibt viele tolle Ticker-Meldungen, in denen man erfährt, was jemand gesagt haben kann.“ Scholz also hat keine Lust mehr, Orakel für Schröders Freitags-Rede zu spielen: Es gehe hier nicht um Topfschlagen. Topfschlagen. Das war doch das mit dem Kochlöffel in den Händen eines Suchenden, dessen Augen verbunden sind, und die Umstehenden weisen mit „heiß!“ oder „kalt!“ oder „wärmer!“ die Richtung.

Irgendwann ertönt dann der helle, metallische Klang des geschlagenen Topfes. Der Suchende reißt sich mit der Rechten die Binde von den Augen und mit der Linken den Topf hoch, und darunter liegt – die Regierungserklärung. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, der Satz steht ganz bestimmt drin. Politik und Kinderspiele. Darüber müssen wir noch mehr nachdenken. Fangen, Verstecken, Blinde Kuh, Sackhüpfen, das taugt alles für wirklich herrliche Vergleiche. Völkerball! Wer hat Angst vorm Ami-Mann!Danke, Olaf Scholz.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben