Spielzeug? : Hitler und Barbie

Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Hermann Göring, die ganze Nazi-Mischpoke im Kinderzimmer: Wer solche Puppen kauft, muss schon einen gehörigen Schaden haben.

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Eine der ältesten Fragen im Kinderzimmer ist die, ob Jungs mit Puppen spielen sollen. Klar, können sie, warum nicht? Sie tun es nur selten. Deshalb hat man seinerzeit der Barbie den Ken zur Seite gestellt. Die Maskulinisierung der Puppenstube hat aber nicht wirklich geklappt. Vielleicht, weil den Kleinen schnell klar war, dass dieser Ken ein Fake ist, der nie und nimmer etwas mit Barbie hatte, ja, nicht einmal etwas haben wollte. Die Hochzeit der beiden? Nichts als ein Alibi in damals noch verklemmteren Zeiten.

In Tschechien sind jetzt in einigen Modellbau-Geschäften Puppen aufgetaucht, bei denen der ein oder andere ausrufen könnte, „Mensch, endlich mal Puppen, mit denen Jungs spielen können“. Etwa 80 Euro teuer, groß wie Barbie und Ken, allerdings nicht so naiv und harmlos und hemmungslos konsumorientiert. Sondern durch und durch böse, menschenverachtend, rassistisch, gewaltbereit, diktatorisch, massenvernichtend, also solche Typen, mit denen die Jungs so gerne am Computer spielen. Nur sind die fiktiv. Und die, die in Tschechien in den Spielzeugläden in der Auslage liegen, sind historisch.

Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Hermann Göring, die ganze Nazi-Mischpoke, im Kinderzimmer auf dem Boden verteilt, es sind schon erstaunliche Ideen, die Produzenten von Spielwaren mitunter hervorbringen.

Dergleichen Unsinn ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren wurde in der Ukraine ein Hitler in vierzig Zentimeter Größe verkauft, mit Wechselklamotten, und wer so etwas kauft, muss schon einen gehörigen Schaden haben. Oder ob man damit aus gleichen Motiven handeln kann wie jener Mann, der 2008, kaum war die Schau im neuen Berliner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds eröffnet, einherschritt und dem Wachsfigurenhitler den Wachsfigurenkopf abriss? Also: Nazi-Puppen kaufen und sie der kindlichen Zerstörungswut überlassen, auf dass die Hitlers und Goebbels in Einzelteilen durch Kinderzimmer fliegen? Und, wenn möglich, natürlich auch Barbie? Klaus Barbie, den Schlächter von Lyon.

Das mag man als redliches Motiv durchgehen lassen, ist aber auch nur ein sinnloses Treiben. Denn so wie von Wachsfiguren und Puppen erst einmal keine Gefahr ausgeht, korrigiert auch deren Zerstörung nichts in der Geschichte. Nicht einmal im Spiel. Was festgehalten werden darf: Wer auch immer auf die Idee kam, die Nazi-Größen in Puppen zu verwandeln, hatte nicht die beste Kinderstube.

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