Spionage : Ex-Beamter des US-Außenministeriums als Kuba-Spion entlarvt

Walter Kendall Myers soll gemeinsam mit seiner Frau 30 Jahre geheime US-Informationen an Kuba weitergegeben haben. Das FBI nahm das Ehepaar fest.

WashingtonWalter Kendall Myers soll gemeinsam mit seiner Frau 30 Jahre geheime US-Informationen an Kuba weitergegeben haben. Wie das US- Justizministerium mitteilte, habe sich der heute 72-Jährige unter dem Codenamen "Agent 202" und seine Frau Gwendolyn (71) alias "Agentin 123" wiederholt im Ausland mit kubanischen Vertretern getroffen und Informationen übermittelt.

1995 soll das Ehepaar sogar von dem damaligen kubanischen Staatschef Fidel Castro empfangen worden sein. Dieser hat die USA inzwischen wegen der Festnahmen kritisiert.

In einer am Wochenende im Internet veröffentlichten Kolumne bezeichnete der 82-Jährige die Verhaftungen als lächerlich. Der 2008 zurückgetretene Staatschef deutete an, der Fall könne erfunden worden sein, um die jüngsten Annäherungsversuche zwischen den beiden Ländern zu torpedieren.

In Bezug auf das angebliche heimliche Treffen zwischen ihm und den Myers im Jahr 1995 erklärte Castro, er könne sich an das Paar nicht konkret erinnern, da er damals pro Jahr mehrere Tausend Amerikaner getroffen habe.

Der gesundheitlich angeschlagene Revolutionsführer, der die Macht 2008 an seinen Bruder Raul übertrug, äußerte sich nicht dazu, ob das Paar tatsächlich für Kuba spioniert habe. "Generell kann ich versichern, dass wir niemanden gefoltert oder bezahlt haben, um irgendwelche Informationen für uns einzuholen."

Der Abteilungsleiter für nationale Sicherheit im Ministerium, David Kris, bezeichnete die den Eheleuten vorgeworfenen Aktivitäten als "unglaublich ernst".

Myers hatte zunächst viele Jahre als Ausbilder am Institut für Außendienste des Ministeriums gearbeitet, später im Büro für Geheimdienste und Forschung. Vom Juli 2001 bis zu seiner Pensionierung im Oktober 2007 sei er auf die Analyse von geheimdienstlichen Informationen über europäische Angelegenheiten spezialisiert gewesen.

Er habe täglich Zugang zu geheimen Daten gehabt. Allein im letzten Jahr seiner Ministeriumstätigkeit habe Myers über 200 "brisante oder geheime" Geheimdienstberichte zu Kuba eingesehen.

Das Ehepaar wurde am Donnerstag festgenommen. Im Rahmen einer verdeckten Operation der Bundespolizei FBI gab sich ein Beamter als kubanischer Geheimdienstbeamter aus. Bei dem Treffen mit ihm hätten Myers und seine Frau unter anderem zugesagt, Informationen über für Lateinamerika zuständige US-Regierungsmitarbeiter weiterzugeben.

Gwendolyn Myers wollte die brisanten Informationen durch den Austausch von Einkaufswagen in Supermärkten übermitteln.

Das Ehepaar plädiert auf Nicht-Schuldig. Nach Angaben der Behörden handelten beide aus politischer Sympathie für das kommunistische Kuba und nicht des Geldes wegen. Außenministerin Hillary Clinton ordnete als Konsequenz aus dem Fall eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen in ihrem Ministerium an.

 

ZEIT ONLINE, sh, dpa, Reuters

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