Spionageverdacht : China lässt Wissenschaftler hinrichten

China bleibt in Menschenrechtsfragen seiner harten Linie treu. Am Freitag wurde ein chinesischer Wissenschaftler hingerichtet, dem Spionage für Taiwan vorgeworfen wurde. Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik bezeichnete Chinas Vorgehen als vorsätzlichen Affront gegen die Europäische Union.

Peking/WienIn China ist am Freitag trotz zahlreicher Gnadenappelle der wegen Spionage für Taiwan verurteilte Wissenschaftler und Geschäftsmann Wo Weihan hingerichtet worden. Das teilte die Tochter des 59-Jährigen mit. Die mit einem US-Bürger verheiratete österreichische Staatsangehörige Ran Chen sagte, die österreichische Botschaft habe sie über die Hinrichtung unterrichtet.

Wo, der zwischen 1990 und 1997 in Österreich lebte und arbeitete, war im Januar 2005 in Peking festgenommen und im Mai 2007 zum Tode verurteilt worden. Dem Biochemiker wurde unter anderem zur Last gelegt, Militärgeheimnisse an Taipeh verraten und Einzelheiten über den Gesundheitszustand führender chinesischer Politiker öffentlich gemacht zu haben.

"Vorsätzlicher Affront" gegen die Europäische Union

Die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik erklärte in Wien, die Vollstreckung des Todesurteils müsse als "vorsätzlicher Affront" gegen die Europäische Union angesehen werden. Dass die Hinrichtung gerade am Tag des Menschenrechtsdialogs zwischen der EU und China stattgefunden habe, unterstreiche die "Rücksichtslosigkeit und Kälte", mit der dieser Fall behandelt worden sei.

Die slowenische und anschließend die französische EU-Ratspräsidentschaft sowie der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer und andere namhafte Politiker wie US-Außenministerin Condoleezza Rice hatten Peking aufgefordert, von der Hinrichtung abzusehen. Die US-Botschaft in Peking zeigte sich von der Hinrichtung "tief verstört und bestürzt". (iba/AFP)

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