Politik : Spionierten Briten bei Chinas UN-Diplomaten? Prinz Charles besucht Truppen

im südirakischen Basra

Matthias Thibaut

London. Der frühere britische Außenminister Robin Cook hat erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Premierminister Tony Blair und seiner Irak-Politik geäußert. In einem Fernsehinterview wies Cook auf drei Geheimdienstanalysen, die in den Monaten vor dem Krieg die Gefährlichkeit Saddam Husseins bezweifelten und von „widersprüchlichen“ und „dürftigen“ Informationen über seine Massenvernichtungswaffen sprachen. Vor allem will Cook wissen, warum Minister und Geheimdienste den Premier offenbar im Glauben ließen, dass die so genannte „45-Minuten-Warnung", nach der Saddam Hussein in so kurzer Zeit Massenvernichtungswaffen einsatzbereit machen könne, sich auf ballistische Raketen bezogen habe.

Blair hatte vergangene Woche mit der Bemerkung einigen Wirbel ausgelöst, er habe bis zum Kriegsbeginn nicht gewusst, dass sich die 45-Minuten-Warnung nicht auf ballistische Raketen, sondern nur auf begrenzte Gefechtsfeldwaffen bezog. Cook bezeichnete diese Darstellung als „unvereinbar" mit Gesprächen, die er mit Blair geführt habe.

Amtshilfe für Amerikaner?

Zu Blairs Schwierigkeiten trug am Sonntag auch der „Observer" bei. Nach den Angaben des Blattes waren britische Geheimdienste in den Tagen vor der UN-Abstimmung über eine zweite Resolution an gezielten illegalen Lauschangriffen auf UN-Sicherheitsratsmitglieder beteiligt. Das Blatt hatte im letzten März über ein internes Memo berichtet, wonach die USA um britische Amtshilfe baten, insbesondere beim Ausspionieren von chinesischen Diplomaten. Nun will das Blatt auch Informationen haben, dass diesen Bitten entsprochen worden sei. Eine Dolmetscherin, Spezialistin für Mandarin beim britischen Abhördienst GCHQ in Cheltenham, kommt im Februar vor Gericht, weil sie der Zeitung die Information zuspielte.

Blair hat Zeitungsberichten zufolge einen Krisengipfel einberufen, mit dessen Hilfe die innenpolitische Agenda wieder in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Ex-Gesundheitsminister Milburn warnte in der Zeitung „News of the World", Blair werde die nächste Wahl verlieren, wenn er die innenpolitische Reformagenda nicht wieder in den Griff bekomme.

Der britische Thronfolger Prinz Charles besuchte derweil überraschend die britischen Truppen in der südirakischen Stadt Basra und dankte ihnen, gekleidet in Uniform, für ihren Einsatz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben