Politik : Spitze statt Basis

Innenminister Friedrich soll Bezirksvorsitz übernehmen – ziert sich aber noch

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Berlin - Ohne ihren „Messias“ Karl-Theodor zu Guttenberg falle die CSU in ein tiefes Loch, hatte SPD-Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier gelästert. Das politische Loch hat die Partei mit Hans-Peter Friedrich als Innenminister schließen können. Nun soll der frühere Landesgruppenchef auch noch den Bezirksvorsitz des Gestrauchelten in Oberfranken übernehmen. Doch Friedrich ziert sich. Der als Pflichtmensch Gerühmte schielt womöglich auf ein höheres Parteiamt, das in diesem Jahr frei werden dürfte – das eines stellvertretenden CSU-Vorsitzenden.

Freunde würde er sich damit nicht machen. Natürlich sei es „bequemer, sich vorne hinzusetzen als einen Bezirk zusammenzuhalten“, schimpfen sie bereits in Friedrichs Wahlkreis. Und beides, Bezirkschef und Parteivize, gehe nicht, heißt es in der Münchner Zentrale. „Ämterhäufung“ wolle man nicht haben.

Friedrich wird sich bald entscheiden müssen. Zwar hat Guttenberg den Bezirksvorsitz noch nicht aufgegeben. Doch seine Ansage lautete, alle politischen Ämter niederzulegen. Am 19. März berät der Bezirksvorstand über die Nachfolge, im Frühsommer wird gewählt. Und mit Hartmut Koschyk, Thomas Silberhorn und Melanie Huml haben sich alle Stellvertreter bereits für Friedrich ausgesprochen.

Man habe die „klare Erwartung“, sagt der Bayreuther CSU-Politiker und Finanzstaatssekretär Koschyk, „dass er sich als Bezirksvorsitzender zur Verfügung stellt“. Andere Minister hätten das auch so gehandhabt – von Guttenberg über Michael Glos bis zu Ilse Aigner, die nächste Woche den Vorsitz in Oberbayern antritt. „Er muss das machen, weil er der ist, den alle wollen“, drängt der Landtagsabgeordnete Alexander König aus Bad Steben. „Einem solchen Wunsch kann man sich normalerweise nicht entziehen.“

Der Umworbene jedoch ließ dementieren, dass er Signale für eine Kandidatur gegeben habe. Offensichtlich, so mutmaßen sie in der oberfränkischen CSU, wolle Friedrich „diesen Kelch an sich vorübergehen lassen“. Womöglich spekuliere er darauf, Guttenberg zum Weitermachen überreden zu können, heißt es. Allerdings seien „freischwebende Ämter in der CSU absolut unüblich“. Zudem gebe es „keine Anzeichen, dass Guttenberg das anstrebt“.

Dass sich für Friedrich eine andere Perspektive eröffnet, liegt an einem Namensvetter. Der Mittelfranke Ingo Friedrich ist 69 und wird nach 18 Jahren wohl nicht mehr als CSU-Vize antreten. Bei der Europawahl 2009 ließ der langjährige Vizepräsident des EU-Parlaments bereits Strauß- Tochter Monika Hohlmeier den Vortritt.

Im Oktober wird der CSU-Vorstand neu gewählt. Auf einem weiteren Vizeposten sitzt Peter Ramsauer. Er hat das getan, wovor sich Friedrich aus Sicht von Parteifreunden hüten sollte: das Amt an der Spitze dem Bezirksvorsitz (in Oberbayern) vorgezogen. Innerparteilich, so erinnern sie in der CSU, sei ihm dies „gar nicht gut bekommen“.

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