Politik : Spitzel "Max": Rudolf Maerker war SPD-Chef in Bonn

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Bei dem von der DDR-Staatssicherheit auf die SPD angesetzten Spitzel "Max" handelte es sich um den langjährigen Bonner Unterbezirksvorsitzenden Rudolf Maerker. Das ergibt sich aus dem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf gegen Oberst Kurt Gailat von der "Hauptverwaltung Aufklärung" (HVA). Gailat war 1994 wegen Landesverrats zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Unter anderem war er zuständig für Kanzleramtsspion Guillaume. Über Maerker heißt es auf Seite 64, er habe sich 1968 dem DDR-Geheimdienst selbst angeboten. Er habe über beste Kontakte zu SPD-Spitzenpolitikern wie Wischnewski und Ehmke verfügt. Seine Berichte habe er "fortlaufend" auf Tonband diktiert.

In der von Oberst Gailat geführten Abteilung sei er wegen seiner "Bandbreite" als "wichtige Quelle" eingestuft worden. Gailat selbst, der beste Kenner der West-Parteien in Markus Wolfs Diensten, habe an "Führungstreffen" mit "Max" teilgenommen. Sein Status wird mit "IMB", Inoffizieller Mitarbeiter mit Feindberührung, bezeichnet.

Aus Sicherheitskreisen war weiter zu erfahren, dass die Unterlagen über "Max" den Vermerk "A" tragen, intern das Kürzel für "zuverlässig", die höchste Kategorie. Experten berichten, Maerker habe für seine Tätigkeit kein Geld genommen, sondern aus "politischer Überzeugung" und "ideellen Motiven" gehandelt.

In der Bonner SPD wird der inzwischen verstorbene Maerker als "prägende Figur" geschildert. Wegen seiner Verdienste ist dort sogar das SPD-Haus nach ihm benannt. Er war 20 Jahre Unterbezirks-Chef. Geschäftsführerin Renate Wolters erklärte auf Anfrage, Gerüchte über eine Stasi-Mitarbeit habe es immer wieder gegeben. Die Partei habe aber nie daran gezweifelt, dass diese Gerüchte falsch seien. Mitte der 90er Jahre, so eine weitere Auskunft, habe eine Anfrage bei der Gauck-Behörde ergeben, dass gegen Rudolf Maerker nichts vorliege.

Als freier Journalist arbeitete Maerker für die "Ost-West-Redaktion" des Deutschlandfunks. Dort schätzte man insbesondere seine "hörergerechte Darstellung" und profunde Kenntnis. Er galt als SED-Kenner.

Der Fall "Max" war durch einen Tagesspiegel-Bericht publik geworden. Der Spitzel hatte nach amtlicher Auskunft von 1973 bis 1987 rund 1280 Dossiers geliefert, darunter ein Papier über angebliche Verwicklungen von SPD-Führungskräften in die Flick-Affäre.

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