Politik : SPLITTER

Nasty Nicolas

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat das Nato-Protokoll mehrere Monate mit seinen Sonderwünschen genervt – auch zur Sitzordnung. Traditionell sitzen die Mitglieder der Allianz nach dem Alphabet der Nationen. Aber der französische Staatschef intervenierte. Nun wird er zu Beginn neben Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und Angela Merkel in die Kameras strahlen dürfen, anschließend allerdings muss er doch an den angestammten Platz wechseln. Diplomaten schütteln den Kopf.

Feldlager

Die Redakteure des „Badischen Tagblatts“ in Baden-Baden haben ihre Schreibtische zwar nicht innerhalb der strengsten Sicherheitszone, aber die Redaktionsleitung rechnet wegen der engen Lage der Stadt im Tal und Straßensperrungen damit, dass die offenen Strecken völlig überlastetet sein werden. Die Kollegen wollen laut ihres Vizechefs Albert Noll deshalb gleich im Büro übernachten. Der Newsdesk wird zum Feldlager umfunktioniert.

Großereignisfest

Baden-Baden fühlt sich mit drei Fünf- Sterne-Hotels in und um die Stadt und vielen Promis, die bereits in der Stadt waren, weltoffen und gipfelfest. Zwar sind auch die städtischen Werber der Ansicht, dass es sich beim Nato-Gipfel für die Kommune mit ihren 55 000 Einwohnern um einen Superlativ handelt, doch haben sie in ihrer Geschichte noch zwei Veranstaltungen ausgemacht, die sie „vergleichbare Weltereignisse“ nennen: das Drei-Kaiser-Treffen zwischen Franz Joseph von Österreich, dem russischen Zaren Alexander und Frankreichs Kaiser Napoleon III. im Jahr 1863 und den Internationalen Olympischen Kongress 1981.

Standesgemäß

Der italienische Premier Berlusconi hatte sich außerhalb von Baden-Baden einquartieren wollen. 19 Kilometer entfernt, wollte er mit seiner Delegation im Schwarzwald übernachten. Die Bundesstraße 500 windet sich in Serpentinen dorthin. In der anderen Richtung – zur Grenze – wird die B 500 ab Baden-Baden zumindest zeitweise gesperrt, um die Teilnehmer zwischen den Gipfelorten Baden-Baden, Kehl und Straßburg ohne Probleme zügig transportieren zu können. Die Polizei hatte bereits vor Wochen durchblicken lassen, dass sie nicht daran denke, auch noch die unübersichtliche Serpentinenstraße zu sperren. Dann meldete auch noch das Bundeskriminalamt Bedenken an. Aus Kreisen der Organisatoren heißt es, man habe den Extravaganzen liebenden Berlusconi nun in Stadtnähe „standesgemäß“ untergebracht.

Leute, Leute

Rund 25 000 Sicherheitsleute werden die Gipfelteilnehmer schützen. Der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Baden-Württembergs bringt rund 15 000 deutsche Polizisten im Südwesten zusammen, zudem 600 französische Gendarmen. Jenseits des Rheins sollen nach französischen Angaben 9000 Polizisten im Einsatz sein. Die Baden-Württemberger Polizei rechnet mit insgesamt bis zu 20 000 Gipfelgegnern, bis zu 3000 davon gewaltbereit. 15 Demonstrationen sind in Deutschland angemeldet. Die Franzosen erwarten 30 000 bis 40 000 Demonstranten allein in Straßburg. Dort nahm die Polizei am Donnerstag schon vor Beginn der Konferenz mindestens 150 Menschen fest. Mehrere hundert Demonstranten waren am Donnerstagnachmittag laut Polizeiangaben nach Steinwürfen in das Camp der Gipfelgegner zurückgedrängt worden. Als eine weitere Gruppe – teils vermummt – das Camp verlassen wollte, sei sie festgenommen worden. Verletzte gab es nicht.mue/AFP/ddp/dpa

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