Politik : „Sport ist nicht per se gewaltmindernd“

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„Gewalt und Sport – beide Begriffe tauchen immer wieder in der Berichterstattung der Medien auf. Auch bezüglich der Fußball-Weltmeisterschaft werden regelmäßig Sicherheitsbedenken geäußert. Bei großen Sportveranstaltungen schwingt die Angst vor Zuschauerausschreitungen auf den Rängen mit, auch auf den Sportplätzen in den unteren Klassen kommen gewalttätige Übergriffe vor. Sportveranstaltungen scheinen für gewaltsuchende oder gewaltbereite Besucher also hin und wieder Mittel zu nur einem Zweck zu sein: gewalttätige Auseinandersetzungen ,anzuzetteln‘ oder zumindest zu suchen.

Diese Konflikte rund um den Sport sollten jedoch nicht in den Mittelpunkt gerückt werden. Vielmehr sollten die integrierende Kraft des Sports und seine hervorragende Eignung als Instrument in der Gewaltprävention hervorgehoben werden.

Präventiv einwirken kann der Sport in verschiedenen Phasen. Die primäre Gewaltprävention setzt rechtzeitig an, um Gewalt erst gar nicht aufkeimen zu lassen. Sie stützt sich unter anderem auf den verbindenden Charakter des Sports. Sport kanalisiert Aggressionen und lehrt Werte und Verhaltensmuster, die für ein respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft unabdingbar sind, und kann dazu beitragen, dass aggressive Verhaltensweisen erst gar nicht entstehen.

Wer also mit und im Sport aufwächst, erlebt auch die soziale Bedeutung des Sports. Mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen Hintergründen oder anderen Kulturkreisen dem gemeinsamen Hobby nachzugehen, vermittelt Toleranz und Verständnis. Um an Sportwettkämpfen teilnehmen zu können, muss man sich einem gemeinsamen Regelwerk unterwerfen.

Sport ist aber auch ein Mittel, um bei gewaltbereiten oder bereits auffällig gewordenen Menschen positive Veränderungen zu bewirken. Sport trägt nachweislich zum Abbau von Frustration bei und verringert Aggressionen. Sport und Bewegung beugen gewaltsamen Auseinandersetzungen also generell vor, auch bei denjenigen, die als potenziell gewaltbereit gelten.

Die Bandbreite der deutlichen sozialintegrativen Wirkungen des Sports ist groß. Sport ist daher anerkanntes Instrument in der (Jugend-)Sozialarbeit. Sport trägt aber beispielsweise auch dazu bei, dass in vielen Krisenregionen der Welt zuvor verfeindete Gruppen wieder miteinander in Kontakt treten und Brücken zueinander bauen. Sport ist eine wichtige Freizeitbeschäftigung in Justizvollzugsanstalten. Sport und Bewegung in Schulen machen den Schulalltag stressfreier und damit gewaltärmer.

Sport ist jedoch nicht per se gewaltmindernd. Damit das Instrument wirken kann, sind Sport, Politik und Gesellschaft gleichermaßen gefordert, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen. Die Vernetzung der beteiligten Institutionen ist wichtig, um die durch den Sport zu prägenden Werte und Verhaltensmuster optimal zu vermitteln.“

Dagmar Freitag ,

SPD, ist Mitglied des Sportausschusses des Deutschen Bundestags.

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