Politik : Sport statt kritische Berichte

Elke Windisch

Auf der Frequenz von TV-6, dem letzten unabhängigen überregionalen Fernsehsender Russlands, sendet seit Dienstagmorgen ein privater Sportkanal. Damit sind in Russland derzeit landesweit nur noch staatliche Sender zu empfangen. Zu TV-6 war nach der feindlichen Übernahme von NTW durch den staatsnahen Konzern Gasprom im letzten Frühjahr das Gros der Journalisten geflüchtet. Die hatten dort schon den Kreml mit kritischer Distanz zu Präsident Putin und unfreundlicher Berichterstattung aus Tschetschenien attackiert und dies bei TV-6 fortgesetzt.

Mit ähnlich fadenscheinigen wirtschaftlichen Argumenten wie zuvor bei NTW versuchte daher schon im Herbst einer der Aktionäre - Lukoil-Garant, ein Rentenfond des staatlichen Ölkonzerns Lukoil - TV-6 zur Strecke zu bringen. Das Vorhaben scheiterte zunächst: Ende Dezember folgte das Moskauer Handelsgericht überraschend der Berufungsklage des Senders. Wenige Tage später focht die nächsthöhere Instanz das Urteil jedoch an und bestand auf Konkurs.

Auf Druck der Öffentlichkeit blieb TV-6 zunächst weiter auf Sendung. Das Management hatte seine Lizenzrechte an das Journalistenkollektiv abgetreten, dem Informationsminister Michail Lesin zunächst die Ausstellung einer zeitweiligen Erlaubnis bis zur Neuausschreibung der Frequenz im April zusicherte. Am Sonntag sickerte jedoch durch, dass der provisorische Betreiber des Senders sich daran nicht beteiligen dürfe, um die Chancengleichheit der Bieter nicht zu gefährden. Am Montagabend gab es daher bis auf weiteres die letzten ungefilterten Nachrichten. Hoffnungen auf ein Comeback tendieren gegen null.

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