Politik : Sport

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Und jetzt das schnellste Tor aller Zeiten in Superzeitlupe! Was soll sonst noch kommen im Sportfernsehen? Gerade das abgelaufene Jahr hat gezeigt, wie schnell sich Sport auf einer Mattscheibe drehen lässt: bunte Unterhaltung mit Athleten, die man zu kennen glaubt und dennoch bewundert oder verabscheut. Ob bei Olympischen Spielen oder den Weltmessen des Fußballs – mehr Superzeitlupen, Analysen und Aberwitzdebatten gehen kaum. Nur: Ist dieser Aufwand wirklich sportlich? Gerade ARD und ZDF erwecken den Eindruck, als wollten sie mit Sport ihre Quoten dopen; dank des zwangszahlenden Publikums. Warum aber müssen Hundertschaften deutscher TV-Reporter und Kabelträger die Stadien vollstopfen, wenn am Ende sowieso der meist orientierungslose Steffen Simon kommentiert? Weshalb muss der Klub der Großkopferten, die Champions League, noch öffentlich-rechtlich subventioniert werden? Und wozu braucht es Altjungentalks auf einer extra am Ostseestrand errichteten Freilichtbühne? Das Sportfernsehen kennt oft kein Maß und sendet sich so ins Mittelmaß.

Wochenende für Wochenende finden gerade wieder halbolympische Winterspiele statt, deren Sendelänge nur von Volksmusik oder Karneval getoppt wird. Dabei geht es um sportlich eher belanglose Rodelweltcups und Langlaufstaffeln. Höhepunkte wie die Ski-WM oder der Biathlonwahnsinn in Oberhof gehen im immergleichen Winterglockengebimmel fast unter. Den Sport in all seinen Facetten zu beschreiben, das hat das Fernsehen den Tageszeitungen und Fachblogs überlassen. Die ARD-Dopingredaktion ist wie das WDR-Recherchemagazin „Sport inside“ in der Nische verbannt. Die „Sportschau“ zeigt samstags nur Bundesliga, Bundesliga, Bundesliga und dimmt dabei politisch brisante, relevante Debatten um die Fankultur herunter – nach dem Vorbild des Bundesliga-Bezahl-Haussenders Sky. Dabei kann Sport mehr zeigen als Superzeitlupen. Sport ist ein Spiel fürs Leben und für lebensnäheres Fernsehen. Wenn man ihn als Spiegel begreift für sich selbst. Robert Ide

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