Politik : Sportgericht weist Freiburg-Einspruch zurück

Das Sportgericht des DFB hat den Einspruch des abstiegsbedrohten SC Freiburg gegen die Wertung des mit 0:3 verlorenen Auswärtsspiels beim 1. FC Kaiserslautern zurückgewiesen. Es fehlte an Beweisen für eine mögliche Manipulation. Ein Regionalliga-Spiel muss hingegen wiederholt werden. (03.03.2005, 20:54 Uhr)

Frankfurt/Main - Die Fußball-Bundesliga bleibt von einem Wiederholungsspiel im Zuge des Wettskandals verschont. Das hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Donnerstag in Frankfurt/Main nach einem insgesamt siebenstündigen Verhandlungsmarathon beschlossen. Der Einspruch des abstiegsbedrohten SC Freiburg gegen die Wertung des mit 0:3 verlorenen Auswärtsspiels beim 1. FC Kaiserslautern wurde aus Mangel an Beweisen für eine mögliche Manipulation zurückgewiesen. Die Partie am 27. November 2004 war von Schiedsrichter Jürgen Jansen geleitet worden.

«Es waren Anhaltspunkte da, die Frage war nur, ob das ausreicht», sagte der DFB-Sportgerichts-Vorsitzende Rainer Koch in Bezug auf die Aussagen von Ex-Referee Robert Hoyzer. Der Hauptbeschuldigte im Betrugsskandal hatte lediglich geäußert, dass ihm zu Ohren gekommen sei, dass die Partie manipuliert wurde, betonte Koch.

Dagegen führten Hoyzers detaillierte Schilderungen über eine Verabredung zum Betrug beim 2:1-Sieg der Amateure von Hertha BSC gegen die Amateure von Arminia Bielefeld am 11. August 2004 zur Annullierung der Partie der Regionalliga Nord. An der zweiten Neuansetzung eines Spiels im Wettskandal konnten auch die schriftlichen Unschuldsbeteuerungen des damals leitenden und seit drei Wochen mit einer Vorsperre belegten Dominik Marks nichts ändern.

Das DFB-Sportgericht hatte bereits am 15. Februar beschlossen, dass das Zweitliga-Spiel LR Ahlen gegen Wacker Burghausen wiederholt wird und damit dem Einspruch von Burghausen gegen die 0:1-Niederlage stattgegeben. Hoyzer hatte zugegeben, dass er das Spiel manipuliert hat. Dennoch legte Ahlen beim DFB-Bundesgericht Berufung gegen die Neuansetzung ein.

Der unabhängig vom Wettskandal verhandelte Einspruch von Bundesliga-Schlusslicht Hansa Rostock gegen das 2:2 gegen den FC Schalke 04 vom 5. Februar wurde in der letzten der drei Verhandlungen am Donnerstag in der DFB-Zentrale abgewiesen. Die Rostocker hatten moniert, dass der Ausgleichstreffer von Ailton nach dem Ende der Nachspielzeit gefallen sei.

Zum Spiel Kaiserslautern - Freiburg hatte Hoyzer ausgesagt, der Schiedsrichter-Betreuer Wieland Ziller (Dynamo Dresden) habe Geld bekommen, das er an Jansen weiterleiten sollte. «Ein solcher Vorgang hat nicht stattgefunden. Ich habe das Spiel ganz korrekt gepfiffen», betonte Jansen. Der Referee aus Essen stellte noch einmal klar, keinen Kontakt zu den mitbeschuldigten Sapina-Brüdern gehabt zu haben. Auch laut Hoyzer hatten Ante und Philip Sapina keinen direkten Kontakt zu Jansen. Später hätten die kroatischen Brüder allerdings behauptet, einen Neuen namens «J.J.» gewonnen zu haben.

Eine genaue Summe wie im Fall der Berliner Regionalligapartie konnte Hoyzer nicht nennen. Auch der SC Freiburg erbrachte mittels Videoaufzeichnungen keine stichhaltigen Beweise für eine Manipulation der vermeintlich zu einer Dreierwette gehörenden Partie.

In der vierten und fünften Verhandlung im Zuge des Wettskandals wurde das Sportgericht mit einer neuen Konstellation konfrontiert. In den bisherigen Verfahren hatte entweder Hoyzer eigene Spielmanipulationen zugegeben - wie im Fall des annullierten Zweitligaspiels Ahlen gegen Burghausen - oder es gab keinerlei Nachweise über Verabredungen zu Betrügereien.

Beim Bielefelder Einspruch lagen widersprüchliche Aussagen vor, doch Hoyzer lieferte präzise Angaben über die Verabredung zur Manipulation. «Das Ergebnis der Beweisaufnahme hat erbracht: Es besteht kein Zweifel daran, dass eine Spielmanipulations-Abrede zwischen Herrn Marks, Herrn Hoyzer und einem der Sapina-Brüder stattgefunden hat», begründete Koch die Neuansetzung. Hoyzer hatte das Mitwirken von Marks bestätigt und in seinen Vernehmungsprotokollen vor der Berliner Staatsanwaltschaft erläutert, dass Marks über ihn letztlich 6000 Euro bekommen habe. «Sollte Hoyzer mich des Zusammenwirkens bezichtigen, dann lügt er», bestritt Marks, der nicht anwesend war, in einem Schreiben durch seine Anwältin Astrid Koch alle Vorwürfe.

Die Amateure des VfL Wolfsburg hatten ihren Einspruch gegen das ebenfalls von Marks geleitete Regionalliga-Spiel gegen die Amateure des Hamburger SV (0:0) zurückgezogen, da es keine Aussagen über Manipulationen gab. Im Zuge des Wettskandals waren ursprünglich Einsprüche gegen 16 Spiele eingelegt worden. Davon liegen dem DFB nun noch 5 Proteste vor, allesamt betreffen die zweite Liga. (Von Jens Marx, dpa) ()

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