Politik : Sprach-Elite

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Die Sprache ist das Haus des Seins“, lautete einer der schönsten Sätze des Philosophen Martin Heidegger, geschrieben in seiner Schrift „Über den Humanismus“. Lange her. Aber wenn das immer noch stimmt, was Heidegger gesagt hat, dann befindet sich das Bildungsministerium der Edelgard Bulmahn zur Zeit nicht in einem Haus, sondern in einer Bruchbude.

„Brain up!“ hat die Ministerin ihren Wettbewerb zur Förderung von Elite-Unis genannt. Pate bei der Namensfindung stand offenbar „Hand ab!“, das saudi-arabische Aktionsprogramm zur Bekämpfung der Kleinkriminalität. Oder aber „Ketch up“, der Wettbewerb für amerikanische Männer, bei dem eine Sackladung Tomaten möglichst vollständig zerkleinert werden muss und bei dem Jahr für Jahr ein gewisser Heinz gewinnt. Aber in Deutschland, dem von heute wie dem von morgen, klingt das mit dem Brain up irgendwie affig. Und so drängt sich der Verdacht auf, dass die mageren 24 Prozent für die SPD in irgendeinem Zusammenhang mit ihrer Sprachfähigkeit stehen müssen.

So wie die Sozialdemokraten derzeit drauf sind, muss man weitere innovative Wortschöpfungen fürchten. Sollte bald das Integrationsprogramm für osteuropäische Putzfrauen starten, wird die Regierung es vermutlich „Clean up! East makes sauber“ taufen. Und von Manfred Stolpe soll sich bereits Gedanken gemacht haben, wie man die verloren gegangene Arbeiterschaft wieder an die SPD binden kann. Das Motto des nächsten Parteitags ist demnach auch schon ausgemacht: „Proll Collect“. Heidegger wird wohl nicht kommen.

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