Politik : Sprecher

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Da es „Charme-Offensiven“ gibt, müsste es auch deren Gegenteil geben. Egal wie sie heißen: Es gibt sie. Zwei Spitzenberater der US-Regierung haben gerade in Berlin ihre Duftmarken gesetzt. Richard Perle, Vordenker des Pentagon, ging voran und wetterte gegen die UN und Frankreichs Konkurrenz zu den USA. Ihm folgte nun Walter Russell Mead vom „Council on Foreign Relations“. Mead meint, Europa habe „eine bankrotte Amerika-Politik“, weil es ein Veto gegen außenpolitische Entscheidungen Washingtons fordere, aber nichts dafür biete. Starker Tobak. Aber damit nicht genug. Mead sagt auch, Europa habe sich für eine Sackgasse entschieden, was Amerika akzeptiere. Und sich eben nun nach anderen Partnern umsehe. Denn die Alte Welt begebe sich sehenden Auges in die Abenddämmerung der Weltgeschichte. So weit also der Rapport von der Schonungslosigkeits-Offensive jener, die Washington über den Atlantik schickt.

Etwas charmanter geht es fernab der Linden zu, im schönen Beaver Creek in Colorado in den Rocky Mountains. Dort trifft sich gerade das Welt-Forum des „American Enterprise Institute“, eines konservativen Thinktanks. Die USA sind mit Ex-Präsident Ford und Vizepräsident Cheney vertreten, Israel mit mehreren Ministern, das „neue Europa“ mit Tschechiens Präsident Vaclav Klaus und Polens Zentralbankchef. Der halbe US-Senat und Paul Wolfowitz, Perles Schüler und die Nummer zwei im Pentagon, debattieren mit. Japan, Taiwan, die Philippinen, Portugal und Großbritannien sind auch vertreten. Und das „alte Europa“? Wer spricht für Frankreich? Niemand. Für Deutschland? Ein Teilnehmer: Guido Westerwelle, Chef der FDP.

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