Sprengsatz : Terroranschlag: Vater warnte USA vor seinem Sohn

Der Vater hat die Katastrophe kommen sehen: Im November nahm der nigerianische Banker und Ex-Minister Umar Abdulmutallab zur US-Botschaft in Nigeria Kontakt auf, um die dortigen Diplomaten vor den Umtrieben seines eigenen Sohnes zu warnen. Doch die Warnung konnte den unheilvollen Plan nicht verhindern.

Umar Faruk Abdulmutallab Terror
Angeklagt Umar Faruk Abdulmutallab. -Foto: dpa

KanoNach dem missglückten Sprengstoffanschlag auf ein Passagierflugzeug kurz vor der Landung in Detroit, hat sich Umar Faruk von den 16 Kindern des Umar Abdulmutallab nun ohne Zweifel als das größte Sorgenkind entpuppt.

In der US-Botschaft in der nigerianischen Hauptstadt Abuja wird bestätigt, dass der 70-jährige angesehene Geschäftsmann und Politiker Umar Abdulmutallab im November vorstellig wurde, um seine „Sorge“ über die „Radikalisierung seines Sohnes“ vorzutragen. Doch war der Sohn zu diesem Zeitpunkt längst im Besitz eines Visums für die USA, das ihm im Juni 2008 erteilt worden war. Die Warnung des Vaters hatte lediglich zur Folge, dass Umar Faruk Abdulmutallab im November in eine Datei mit 550.000 Namen von Personen eingetragen wurde, denen eine Verbindung zum Terrorismus zugetraut wird.

Schon als Schüler soll Umar Faruk in den islamischen Extremismus abgeglitten sein. So habe er als Teenager Reden für das Regime der Taliban in Afghanistan geschwungen, berichtet die nigerianische Zeitung „This Day“. Als er dann auf die Britische Internationale Schule in Togo ging, versuchte er seine Mitschüler für fundamentalistische Gedanken zu begeistern, wie einer seiner damaligen Lehrer berichtet. Die Bankiersfamilie besitzt eine Wohnung in der Londoner City. So fügte es sich, dass der angehende Ingenieurs-Student das University College in der britischen Hauptstadt besuchen konnte.

Spätestens im Sommer dieses Jahres gewann die fundamentalistische Seite bei dem jungen Mann die Oberhand. Obwohl ihn seine Angehörigen und Freunde übereinstimmend als „begabt“, „brillant“ und „areitsam“ bezeichnen, kam er vom geraden Weg ins Berufsleben ab. Nachdem die britischen Behörden ihm im Mai eine Wiedereinreise verweigerten, weil sie dem von ihm angegebenen Weiterbildungswunsch keinen Glauben schenkten, äußerte er im Juli die Absicht, in Jemen einen Arabisch-Sprachkurs zu besuchen. "Wir haben angefangen uns Sorgen zu machen, als Faruk im August anrief und sagte, er wolle sein Studium nicht fortsetzen, sondern im Jemen bleiben“, sagt sein Cousin Sani. Wenige Tage später habe Umar Faruk eine SMS geschickt, in der er mitteilte, er wolle zu seiner Familie keinen Kontakt mehr.

Er sei „absolut erschüttert“ über das Vorhaben seines Sohnes, ein Flugzeug in die Luft zu sprengen, sagt Umar Abdulmutallab, der erst im Dezember seine Tätigkeit als Vorstandschef der First Bank of Nigeria niederlegte. Nun heißt es plötzlich, der Sohn in der Fremde habe der US-Bundespolizei FBI gestanden, er stehe mit dem Terrornetzwerk El Kaida in Verbindung.

Die Angehörigen Abdulmutallabs in Kaduna im Norden Nigerias erzählen, sie hätten gar nicht gewusst, dass er sich zuletzt auch wieder einmal in der Heimat aufhielt. Ungläubig nahm die Familie die Information auf, Umar Faruk Abdulmutallab sei von der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos abgeflogen, als er für den Terror-Trip Richtung Detroit eincheckte. „Niemand aus der ganzen Familie hätte sich vorstellen können, dass er etwas derartig Verrücktes machen würde“, sagt ein Angehöriger. AFP

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