Politik : Springer prüft Verkauf von Sat 1 oder Pro 7

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Berlin - Der Axel Springer Verlag will weder juristische noch politische Schritte ergreifen, wenn das Bundeskartellamt und die Medienwächter die Übernahme des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 untersagen. Der Verlag hat das Vorhaben aber noch nicht völlig aufgegeben. Aus dem Umfeld von Vorstandschef Mathias Döpfner erfuhr der Tagesspiegel, weder werde der Verlag klagen noch eine Ministererlaubnis beantragen. Die aus solchen Schritten folgenden mehrjährigen Verfahren mit ungewissem Ausgang kosteten zu viel Geld und Zeit, hieß es weiter. Vor der Hauptversammlung im Frühjahr müsse Klarheit herrschen.

Allerdings prüfe der Verlag, einen der beiden reichweitenstarken Sender, Sat 1 oder Pro 7, wie vom Kartellamt gefordert weiterzuverkaufen. Verhandelt werde mit einem ausländischen Unternehmen, um keine erneuten Probleme mit dem deutschen Kartellrecht zu provozieren, hieß es. Die Behörde hatte auch den Verkauf der lukrativen „Bild“-Zeitung vorgeschlagen, dies kommt für den Verlag aber nicht in Frage. Auf einer Liste hatte er bisher wesentlich unbedeutendere Verkaufsobjekte genannt, darunter die Programmzeitschrift „Hörzu“.

Wenn die Übernahme des größten deutschen Fernsehkonzerns durch Europas größtes Zeitungshaus scheitert, dürfte auch kein anderes großes deutsches Medienunternehmen zum Zuge kommen. Im Gespräch sind daher unter anderem der französische TV-Konzern TF1, der in Deutschland nur mit Eurosport präsent ist, und der US-Mischkonzern General Electric. Auch Finanzinvestoren könnten Interesse am Kauf der Senderfamilie von der Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban zeigen – ob der Kaufpreis aber auch die von Springer im Sommer gebotenen rund 2,5 Milliarden Euro erreicht, wäre fraglich.

Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) als eine der beiden entscheidenden Instanzen trifft sich am heutigen Dienstag in Potsdam und hat für den Abend eine Entscheidung in dem Fall angekündigt. Die Kontrolleure stehen der geplanten Übernahme kritisch gegenüber, weil sie die Entstehung multimedialer Meinungsmacht befürchten. Das Kartellamt will Ende kommender Woche entscheiden und befürchtet, dass Springer wirtschaftlich zu mächtig wird. usi

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