Politik : Spuren des Pulvers

Malte Lehming

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt auch für Geheimdienste. In den USA befassen sich sowohl der Auslandsgeheimdienst CIA als auch die Bundespolizei FBI mit dem Problem des Terrorismus. Beide Organisationen arbeiten freilich nicht immer eng zusammen. Im Kampf um Pfründe, Kompetenzen und Finanzen sind sie Rivalen. Für die Öffentlichkeit ist das Ergebnis verwirrend. Das jüngste Beispiel der fortgesetzten Irreführungen sind die Spekulationen über die Urheber der drei mit dem Milzbrand-Bakterium kontaminierten Briefe. Vier Menschen sind an der Krankheit gestorben, 13 weitere haben sich infiziert. Wer sind die Bioterroristen? Woher kommen sie?

Zum Thema Foto-Tour: Milzbrand weltweit
Online Spezial: Bio-Terrorismus
Stichwort: Milzbrand
Hintergrund: Seuchenexperten
Web-Link: Robert-Koch-Institut Die CIA ist traditionell medienscheuer als das FBI. Geheime Quellen, geheime Informanten, geheime Aufklärungstätigkeit. Wenn dennoch, ganz selten, eine natürlich anonyme CIA-Person zu den Anthrax-Briefen zitiert wird, heißt es: "Wir können nicht ausschließen, dass der Irak involviert ist, Verbindungen der Briefe zu Osama bin Ladens Terrororganisation werden weiter intensiv geprüft." Kein Wunder. Die CIA ist nun einmal zuständig für das Ausland. Wären die Briefe das Werk von einheimischen Terroristen, könnte die entsprechende Abteilung dicht machen.

Das gilt, bezogen auf einheimische Täter, auch für das FBI. Mehrere hundert Ermittler arbeiten an dem Fall. Abgesehen von den Briefen gibt es allerdings keine Spuren. Trotzdem melden sich die FBI-Vertreter regelmäßig mit der These, wahrscheinlich gehe die Tat auf das Konto einheimischer Terroristen. Der Handschrift der drei Briefe zufolge soll es sich bei dem Täter um einen "wütenden, kontaktscheuen Mann" handeln, der in den USA geboren wurde und kein Moslem ist. So die FBI-Graphologen. Die Einwände gegen diese Theorie werden kühn pariert. Die Rechtschreibfehler zum Beispiel sowie die Zeilen "Tod den Israelis, Tod den Amerikanern" könnten Absicht gewesen sein, um die Fahnder auf eine falsche Fährte zu locken. Und entgegen der bisherigen Annahme, das Bakterium könne nur in einem Speziallabor hergestellt worden sein, heißt es nun: Die Ausrüstung dafür koste nicht mehr als 2500 Dollar, medizinische Vorkenntnisse reichten aus.

Die Wahrheit ist: Keiner hat einen blassen Schimmer. Und dass liegt auch an Fehlern des FBI. So wurden fast hundert Proben der Milzbrand-Sporen, die an einer Universität in Iowa lagerten, mit Einverständnis des FBI vernichtet. Mit dieser wertvollen Sammlung, so Kritiker, hätten wichtige Spuren zu den Tätern ermittelt werden können.

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