Srebrenica : "Ohne Wahrheit keine Aussöhnung"

Rund 50.000 Menschen haben sich zum zehnten Jahrestag des Massakers vor den Toren von Srebrenica versammelt. In einer Botschaft forderte UN-Generalsekretär Kofi Annan eine restlose Aufklärung des Kriegsverbrechens.

Srebrenica (11.07.2005, 14:33 Uhr) - In allen Ansprachen forderten die Redner die Verhaftung der noch immer untergetauchten Drahtzieher - des ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic und des Ex-Militärchefs Ratko Mladic. Der Präsident des UN-Kriegsverbrechertribunals, Theodor Meron, forderte die serbischen Behörden auf, Karadzic und Mladic auszuliefern: «Nicht nächsten, sondern diesen Monat, nicht morgen sondern heute».

Das Kriegsverbrechen in Srebrenica müsse restlos aufgeklärt werden, erklärte UN-Generalsekretär Kofi Annan in einer Botschaft: «Ohne Wahrheit keine Aussöhnung», schrieb er. Auch US-Präsident George W. Bush setzte sich in einer vorgelesenen Erklärung für die schnelle Verhaftung von Karadzic und Mladic ein. Erstmals nahm mit Boris Tadic auch ein serbischer Präsident an den Gedenkfeiern teil. Er versprach eine rasche Festnahme der als Kriegsverbrecher gesuchten Ex-Führer.

Das Massaker in Srebrenica sei «eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Europas seit 1945», sagte der britische Außenminister Jack Straw. «Es ist eine Schande für die internationale Gemeinschaft, dass dieses Verbrechen unter ihren Augen stattfand», sagte er mit Blick auf die eigentlich von UN-Truppen zu verteidigende «UN- Schutzzone Srebrenica». «Wir solidarisieren uns mit Ihnen», formulierte der britische Premier Tony Blair vor dem Hintergrund der Londoner Terroranschläge seine Botschaft.

Um 12.00 Uhr stand der Verkehr in den meisten bosnischen Regionen still, da die Menschen der Opfer mit einer Schweigeminute gedachten. Die Regierung von Bosnien-Herzegowina hatte den Montag zum Staatstrauertag erklärt.

Im Anschluss an die Gedenkfeier wurden 610 identifizierte Srebrenica-Opfer in der vor zwei Jahren errichteten Gedenkstätte Potocari vor den Toren Srebrenicas beigesetzt. Sie gehörten zu den rund 8000 muslimischen Männern und Jungen, die von serbischem Militär und Paramilitär nach der Eroberung der Stadt am 11. Juli 1995 ermordet worden waren. Schon früher waren mehr als 1300 dieser Opfer auf diesem Friedhof bestattet worden. (tso)

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