Politik : Sri Lanka: Der Krieg erreicht die Touristen

Dilip Ganguly

Sri Lankas Bürgerkrieg findet nicht mehr nur an den Randzonen des Landes statt: Mit ihrem Überfall auf den Bandaranaike International Airport nahe der Hauptstadt Colombo griffen die tamilischen Rebellen den einzigen internationalen Flughafen der Insel an. Auch viele Touristen landen dort. "Ich hatte schreckliche Angst und drückte mein Baby fest an mich, als ich die Schüsse hörte", sagte Fatima Alsadi, die mit ihrer Familie von Kuwait auf dem Weg nach Malaysia nur einen Zwischenstopp in Colombo einlegen wollte. Innerhalb weniger Minuten rannten die Passagiere aus dem Terminalgebäude. Als sie hörten, dass die "Befreiungstiger" von Tamil Eeelam (LTTE), der größten Rebellengruppe des Landes, für den Angriff verantwortlich waren, machte sich Panik breit. Sechs Stunden dauerten die Kämpfe, es gab zahlreiche Tote.

Bislang war der Tourismus, der sich auf den Süden und Westen der Insel konzentriert, von den Kämpfen im Norden und Osten des Landes kaum beeinträchtigt worden. Der Angriff auf den Flughafen fiel auf den 18. Jahrestag blutiger Proteste der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit gegen die tamilische Minderheit. Die Ausschreitungen kosteten damals bis zu 3000 Tamilen das Leben. Der Tag markierte den Beginn des Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Regierungstruppen. Viele junge Tamilen flohen nach den Ereignissen 1983 in den Norden der Insel und traten den Rebellen der LTTE bei, die für einen eigenen Staat im Norden und Osten Sri Lankas kämpfen. Ein blutiger Krieg, bislang sind ihm rund 64 000 Menschen zum Opfer gefallen.

Der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen wurzelt in einer alten Rivalität zweier Volksgruppen, die ihre eigene Sprache, Kultur und Geschichte haben. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1948 gab es immer wieder Kämpfe. Viele Tamilen fühlen sich in Sri Lanka als Bürger zweiter Klasse, weil die Singhalesen Regierung und Streitkräfte dominieren. Doch Präsidentin Chandrika Kumaratunga stößt nicht nur bei Tamilen, sondern auch bei nationalistischen Singhalesen auf Kritik. Im vergangenen Jahr fiel ihr Entwurf für eine neue Verfassung im Parlament durch. Sie wollte den Regionen - und damit auch den Tamilen - mehr Autonomie zugestehen.

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